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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 6 · p. 333

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Zur Geschichte der zionistischen Ideologie
Date
1923-01-01
Page
333 (sequence 13)
Language
German
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Zur Geschichte der zionistischen Ideologie 333 VI. Bubers Einfluß auf die westjüdische Intelligenz fand seinen ersten Ausdruck in dem 1913 von dem Prager Studentenverein „Bar Kochba" herausgegebenen Sammelbuch „Vom Judentum", später in der von Buber seit 1916 herausgegebenen Monatsschrift „Der Jude". Hier wurde der Erkenntnis von der Dynamik des jüdischen Geisteslebens weiter nachgegangen, die Aneignung jüdischer Kulturwerte als treibende Kräfte in der Entwicklung der Volksgesamtheit und der Einzelpersönlichkeit angestrebt. Der so um ihr eigenes Bewußtsein üngenden Generation erschien die Assimilation nicht mehr als das Volksauflösende schlechthin, die gefährliche Spitze war ihr abgebrochen, die Kulturen der Menschheit konnten voll aufgenommen werden und bereicherten und vermehrten, umgestaltet und angepaßt, die jüdische Wesenssubstanz, die wieder ihrerseits auf sie zurückwirkte. Dadurch mußte eine historisch richtigere Würdigung der Aufklärung eintreten und ihre große Bedeutung für die Befreiung aus der Enge des Ghettos als Grundlage einer Erneuerung des Judentums erkannt werden. Dabei ging man zugleich der verschiedenfältigen Auswirkung des ererbten Judentums in den Repräsentanten der Assimilation nach und gewann so neue Erkenntnisse über Dauer und Dynamik der jüdischen Erbschaft. Die Erkenntnis des Zionismus, als eines Persönlichkeitsproblems rückte die Frage der Erziehung in den Vordergrund, nicht nur die des einzelnen, sondern auch die der Gesamtheit. Zugleich sollte die neue Erziehung nicht nur das Judentum des einzelnen stärken, sondern auch sein Menschentum erhöhen und befreien; sie schaltete sich als Glied in die Kette der Bestrebungen ein, den kommenden Generationen aller Völker eine hellere Zukunft zu bereiten. Die Erkenntnis jüdischen Wesens sowie die geographische Lage Palästinas führten zur Einstellung des jüdischen Komplexes in den Rahmen des Orients und seiner Wiedergeburt. Wie jeder einzelne Jude Erbschaft des Orients und Einfluß seiner jahrhundertelangen Wanderung durch westliche Kulturen in sich vereint, so spannt sich auch der Zionismus wie eine Biücke zwischen diesen zwei Welten nicht nur im geographischen, sondern auch im kulturell verbindlichen Sinne. So vollzieht sich in der Spannung zwischen den Traditionen der Vergangenheit und dem Ringen um ein neues Leben, zwischen Orient und Okzident, der Gestaltwandel des Judentums. Aufklärung und Chassidismus wollten beide die Abschüttelung der naturfernen Enge des Ghettos; unklar war in beiden die Sehnsucht verborgen nach „Wiedergewinnung der althebräischen Verbundenheit mit Erde, Erdarbeit und Erdgenuß". Der Chassidismus entdeckte für den Ghettomenschen Wald und Feld wieder und die Verwirklichung des Göttlichen im freudig-naturhaften Leben. Die Aufklärung wollte noch in ihren bürgerlich-geruhigen Ausläufern an das Leben der Prophetenzeit anknüpfen, die Juden zu Ackerbau und Handwerk überleiten. Aber diese Sehnsucht wurde erst in denArbeitern Palästinas Wirklichkeit. Hier erfährt das persönliche, das nationale, das menschliche Problem des Zionismus eine Weitung ins Kosmische. Zugleich wird hier die Spannung zwischen Vergangenheit

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