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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 6 · p. 331

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Zur Geschichte der zionistischen Ideologie
Date
1923-01-01
Page
331 (sequence 11)
Language
German
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Zur Geschichte der zionistischen Ideologie 33i in Buber die beiden Ströme, die den Gestaltwandel des Judentums seit dem XVIII. Jahrhundert lenken: Aufklärung und Chassidismus, beide in ihrer reinen Gestalt, der späteren Verzerrung ledig. Die Auseinandersetzung von Aufklärung und Chassidismus in Buber selbst, die in seinem frühen Werke am Chassidismus Gestalt gewann, ließ ihn auch die Judenfrage als eine persönliche Auseinandersetzung jedes einzelnen mit seinem überkommenen jüdischen Wesenskern erkennen. Dadurch wird ihm die Judenfrage zur Persönlichkeitsfrage, wird persönliche Aufgabe. Einzig das ist wesentliche Judenfrage, was selbst ein jüdischer Robinson noch als Judenfrage in sich erlebt. Für das Volksdasein sind die äußeren Formen: Land, Sprache, Sitte, zweifellos von gestaltender Wirksamkeit; sie treten aber an entscheidender Bedeutung weit zurück hinter der ererbten Wesenssubstanz eines jeden, dem „Blut". So ist das Judentum inhaltlich bestimmt, aber diese inhaltliche Bestimmung ist keine statisch-unveränderliche, sondern eine dynamische. „Das Judentum ist ein geistiger Prozeß, der sich in der inneren Geschichte des Judenvolkes und in den Werken der großen Juden dokumentiert hat." Die jüdische Substanz ist nicht eine Summe abstrakter Ideenbegriffe, sondern das Spannungsverhältnis dynamischer Tendenzen des Volkscharakters, „die sich mit so großer Kraft und so großer Dauer äußern, daß sie einen Komplex von geistigen Werken und Werten erzeugen, welcher als das absolute Leben des Volkes angesprochen werden darf." Nicht die Tendenzen als solche sind einem Volke eigentümlich, sie sind allgemeinmenschliches Gemeingut, nur ihre Intensität und ihr Spannungsverhältnis sind bei den einzelnen Völkern verschieden. Für das Judentum ist kennzeichnend, daß es einen polaren Charakterhat, daß daher die Spannungsverhältnisse bei ihm am größten sind, die schärfsten Gegensätze nebeneinander wohnen. Als die dominierenden Tendenzen des jüdischen Volkslebens hat Buber das Streben nach Einheit, das aus der polaren Gegensatzspannung folgt, nach Bewährung durch die Tat und das messianische Zukunftsideal erkannt. „Der geistige Prozeß des Judentums vollzieht sich in der Form eines Geisteskampfes, eines ewig erneuten inneren Kampfes um die reine Erfüllung der Volkstendenzen." Dieser Kampf vollzieht sich ebenso in der Brust jedes einzelnen Juden wie in der jüdischen Gemeinschaft. Die beiden Kräftegruppen, die ihn in der Gemeinschaft führen und die Buber das „offizielle" und das „unterirdische" Judentum nennt, sind auch ihrerseits unlöslich miteinander verschlungen und treten nur in ihren Höhepunkten durch die Stärke der jeweils prädominierenden Form deutlich und rein hervor. Als solche Höhepunkte des unterirdischen Judentums sieht Buber vor allem den Prophetismus und den Chassidismus. An sie muß jede künftige Erneuerung des Judentums anknüpfen. Aus dieser Erneuerung heraus wird dann das Judentum in Palästina, wo die jüdische Wesenssubstanz mit den Formen des Lebens, mit jüdischer Sprache, jüdischer Sitte und jüdischem Land in Harmonie sein wird, wieder ein Leben führen, wo das relative Leben des Alltags und das absolute Leben

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