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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 6 · p. 324

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Zur Geschichte der zionistischen Ideologie
Date
1923-01-01
Page
324 (sequence 4)
Language
German
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324 Hans Kohn: eine einzige Familie sein wird, deren Glieder durch den schöpferischen Genius der Geschichte verbunden sein werden". Jede große Wende in der Menschheitsgeschichte war begleitet durch tiefe Bewegungen innerhalb jenes Volkes, welches der Träger der Geschichtsreligion ist. Die Herbstäquinoktien der Menschheit, der Übergang vom Altertum zum Mittelalter war von der Entstehung des Christentums im Schöße des Judentums begleitet. ,,Auch heute, während des Frühlingsäquinoktiums der Menschheit, wird wieder die große Zukunft, der wir entgegengehen, durch Bewegungen im Judentum angekündigt." Die Wiedergeburt des jüdischen Volkes ist daher Voraussetzung der Vollendung der menschlichen Geschichte. Voraussetzung aber der Wiedergeburt des jüdischen Volkes ist seine Konzentration in seinem Heimatlande. Ist Heß in diesen Gedankengängen ein Schüler der philosophischen Einflüsse seiner Zeit, so ist er, ebenso deutlich ein Schüler ihrer politischen Strömungen. Die französische Revolution bedeutet ihm auch den Anbruch der Unabhängigkeitsbestrebungen der kleinen Völker. Überall sieht er die Emanzipationskämpfe bisher unterdrückter Völker. Rom entsteht wieder im geeinten Italien; so soll auch Jerusalem wieder entstehen. Und zugleich wird die neue Zeit, die das Judentum mit heraufbringt, eine Zeit der sozialen Gerechtigkeit sein. Der anbrechende Geschichtssabbat wird auch ein sozialer Sabbath sein. Die Erlösung des Judentums ist ein Teil und Voraussetzung zugleich der Menschheitserlösung. ,,Uns fehlt das Land, um das historische Ideal unseres Volkes zu verwirklichen, welches kein anderes Ideal ist, als die Herrschaft Gottes auf Erden, die messianische Zeit, die von allen unseren Propheten verkündet worden." II. So erfährt der Gedanke von der Mission Israels durch Heß eine neue, vertiefte und auf geschichtlichen Traditionen fußende Wendung. Er versucht, die lebendigen Kräfte des Judentums zu wecken. Er verkündet eine Wiederbelebung, „deren Vorbote sicherlich der Chassidismus ist. Das Gute, das aus einer Kombination von Chassidismus und nationaler Bewegung entstehen wird, ist fast unschätzbar." Hessens Auffassung hat die ungestüme Kraft und den unendlichen Ausblick des. einsamen Bahnbrechers; Achad Haam l), einer aus dem Volke, ist der Wissendwägende, dessen unendlicher Glaube durch keusche Bescheidung fast nüchtern erscheint. Auch er glaubt an die endgültige Erlösung des jüdischen Volkes und mit ihm der Menschheit durch die Ankunft der messianischen Zeit; aber er sieht diesen Tag in weiter Ferne; bis dahin aber gilt es, Mittel und x) Achad Haams Werke sind hebräisch und in deutscher Auswahl im Jüdischen Verlag, Berlin, erschienen. Um ihre Verbreitung im englischen Sprachgebiet hat sich insbesondere Leon Simon verdient gemacht. Vgl. das Achad Haam-Heft der Monatsschrift „Der Jude", i. Jahrgang, Heft 6, und Hans Kohn, „Fragmente zu einer Kritik Achad Haams" in „Nationalismus" (Verlag R. Löwit, Wien 1922). Über Achad Haam und Berdyczewski vgl. Hugo Bergmann „Jawne und Jerusalem" ( Jüdischer Verlag, Berlin 1919).

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