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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 6 · p. 323

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Zur Geschichte der zionistischen Ideologie
Date
1923-01-01
Page
323 (sequence 3)
Language
German
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Zur Geschichte der zionistischen Ideologie 323 einen allumfassenden Menschheitsrahmen hineinzustellen.. Sohn der Aufklärung, kosmopolitischer Sozialist, Freund von Marx, ist er doch der einzige in seiner Zeit, der, völlig im Gegensatz zu Grätz, noch in der späteren Verzerrung die Bedeutung des Chassidismus ahnt. Aus der Fülle seines historischen und soziologischen Denkens sieht er in der Wiedergeburt der jüdischen Nation ein Glied der großen geschichtlichen Bewegung der modernen Menschheit. Sein jüdischer Nationalismus ist nicht zufällige Folgerung aus irgendwelchen Tatsachen der ihn umgebenden Wirklichkeit, sondern ein notwendiges Glied seiner alles natürliche und menschliche Geschehen in eine Einheit zusammenfassenden Weltanschauung. * In drei Ordnungen gliedert sich die von einem einheitlichen göttlichen Willen gelenkte Welt: in die kosmische, in die organische und in die geschichtlich-geistige. Für die Entwicklung einer jeden Ordnung gibt es einen Sabbath, eine Zeit der Ruhe und der Vervollkommnung. Nach der biblischen Geschichte ist für die organische Ordnung der Sabbath mit dem siebenten Tage angebrochen, mit der Erschaffung des Menschen, dem Abschluß der organischen Ordnung und dem Anbruch der geschichtlichgeistigen. In ihr ist die Weltgeschichte eine Erziehung der Menschheit nach dem göttlichen Plane. Nun bricht auch für sie der Sabbath an, der siebente Tag, das Reich der Ruhe und der Vollkommenheit, das messianische Reich. Die französische Revolution bezeichnet den Anbruch des geschichtlichen Sabbath, der letzten Epoche der Menschheitsgeschichte. Überaus stark ist in Heß das Gefühl, in einer entscheidenden Zeitenwende zu leben, da der letzte große Akt der Menschheitsgeschichte beginnt und in der zugleich die jüdische Nation berufen sein wird, eine entscheidende Rolle zu spielen. „Wir stehen am Vorabend des Geschiehtssabbaths und haben uns auf unsere letzte Mission vorzubereiten durch das Verständnis unserer Geschichtsreligion." Mit der französischen Revolution, mit dem Anbruch des Geschichtssäbbaths, siegen uralte jüdische Ideen. Bereits „im Altertum, als die Völker noch in der Nacht des Naturlebens versunken waren, gab es nur einen Volksstamm, das Volk Israel, das vermöge seines eigentümlichen Genies einen göttlichen Plan in der Geschichte der Menschheit erkannte. Das Judentum ist Geschichtsreligion, Geschichtskultus, im Gegensatz zum heidnischen Naturkultus." Für die Juden war nicht das Sein das Wesentliche, sondern das Werden. Ihr Gott bezeichnet schon in seinem Namen Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, und wenn die Hellenen das Volk des Raumes waren, so waren die Juden das Volk der Zeit. Die Juden sind seit jeher das. Volk der messianischen Hoffnungen gewesen. „Jeder Jude", sagt Heß, ,,hat den Stoff zu einem Messias in sich". Die jüdische Religion kennt ein einziges Dogma, das der Einheit, der Einheit des Alls und der Menschheit. Durch das Judentum wird die Zeit der geeinten Menschheit anbrechen. „Durch das Judentum ist die Geschichte der Menschheit eine heilige Geschichte geworden, ich meine ein einheitlicher organischer Entwicklungsprozeß, der mit der Familienliebe beginnend, nicht eher vollendet ist, bis die ganze Menschheit 21*

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