Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Hygiene
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 300 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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30o Umschau: Hygiene dessen Kosten die Vertragschließenden zu gleichen Teilen bestritten. Die Zahl der Betten wurde auf 12 festgesetzt, doch mußten meist einige Notbetten dazugestellt werden. Diese Einrichtung blieb bis zur Beendigung der Straßenarbeit bestehen, nur daß mit der Verlegung des Lagers von Chame Twerja nach Kinereth der ärztliche Dienst aus den Händen des Dr. Aschermann in die des dortigen Arztes Dr. Awigdori überging. Sie war mustergültig und wurde auch von den anderen Kwischim nachgemacht. Die gefürchtete Katastrophe trat nicht ein. Die Gesundheitsverhältnisse blieben im Gegenteil — von zeitweiligen Schwankungen abgesehen — ganz ausgezeichnete, und es gelang, den Krankenstand auf 5% herabzudrücken, während die übrigen Straßenbauten zur selben Zeit mit 20—25% Krankenstand arbeiteten. Ja, die Krankenzahl sank in den Sommermonaten, als das Arbeitermaterial sich stabilisiert hatte und auch der systematische Kampf der Hadassa gegen die Malaria in Unter-Galil im Gange war, noch unter diese Zahl und schwoll erst wieder an, als der Gdudhaawoda vonRosch alAjn nach Kinereth kam. Es steht mir leider in diesem Augenblicke -nicht das volle statistische Material zur Verfügung, doch will ich die Eindrücke wiedergeben, soweit sie sich mir von der Arbeit her eingeprägt haben, und der Reihe nach die einzelnen Krankheitsgruppen durchgehen. Ich fange mit unserem Erzfeind an, der Malaria. Malaria. Der erste Lagerplatz des Kwisch, Chame Twerja, steht allerdings in ziemlich sumpffreier Umgebung. Trotzdem gab es genug Krankheitsfälle, so z.B. im ersten Monat systematischer ärztlicher Arbeit und Blutuntersuchungen, Oktober 1920, nicht weniger als 43. Die Lage war gefahrdrohend. Genügen doch einige hingeworfene Konservenbüchsen, in denensich ein wenig Wasser befindet, um dem Lager die Anophelesmücke, den Übertrager der Krankheit, in ausgiebiger Zahl groß zu ziehen. Der Kampf mußte daher nach verschiedenen Seiten geführt werden: peinliche Reinlichkeit im Lager und dessen Umgebung, wiederholte Blutuntersuchungen, um die nicht fiebernden, aber eben deshalb um so gefährlicheren Parasitenträger herauszufinden, intensive Behandlung dieser sowie der Fiebernden und schließlich die tägliche Verteilung einer prophylaktischen Dose Chinin an die Arbeiter. Diese letzte Maßregel stieß in der ersten Zeit auf großen Widerstandseitens eines Teiles der Arbeiter, besonders der alten, bürgerte sich aber mit der Zeit ein. Die Ergebnisse des Kampfes machten sich schon nach einigen Monaten geltend. Mit der Übersiedlung des Lagers nach Kinereth änderte sich die Lage ein wenig, da es hier, in der Nähe des Jordan, trotz der vor einigen Jahren durchgeführten Sanierung genug Brutplätze der Moskitos gibt. Aber um diese Zeit setzte bereits der schon erwähnte Kampf gegen die Malaria ein, der von der Hadassa im Jahre 1921 in nahezu ganz Untergalil mit reichen. Mitteln geführt wurde und dessen Durchführung einem eigenen Arzte und einer Reihe von Hilfskräften oblag. Es versteht sich, daß der Kwisch mit seinen zahlreichen Mitgliedern von diesem Kampfe reichlichen Nutzen zog, und wenn auch das Jahr 1921 überhaupt ein gutmütiges war, so ist doch die gegen das Vorjahr so auffallende Besserung zum größten Teil dem aktiven Vorgehen gegen die Krankheit zu verdanken. Ein Vergleich mit der Produktivität der Arbeit wird zeigen, daß diese parallel zur Abnahme der Malaria zunimmt. Schwarzwasserfieber (Kadachat schachor scheten im Lande meist fälschlich als Kadachat zahuwa bezeichnet) gab es während der ganzen Arbeitsperiode nur einen Fall, der vollständig genas. Andere tropische Infektionskrankheiten. 1. Febris Capataci( Kadachat Papatazi): Diese Krankheit, die aus einem 3—4 tägigen hohen Fieber und Störungen des Magen~Darm- Kanals besteht, ist als ungefährlich zu bezeichnen. Aber dadurch, daß sie eine ungeheure Schwäche zurückläßt, die den Betroffenen 2 Wochen und auch länger arbeitsunfähig macht, sowie dadurch, daß sie ein und denselben Menschen auch 2 und 3 mal befallen kann, hat sie unserem Unternehmen gewaltigen wirtschaftlichen Schaden gebracht. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Krankheit, die durch die kleinen Sandfliegen (Phlebatomus, engl. Sandfly) übertragen wird, auch in früheren Jahren in Palästina vorkam. Der beste Beweis für diese Annahme liegt darin, daß nur die frisch eingewanderten Arbeiter erkrankten, die alten aber durchwegs verschont blieben. Nur wurde sie wahrscheinlich in ihrem Wesen nicht erkannt und fälschlich der Malaria zugeteilt; Sie wütete in unserem Lager und auch sonst im Lande in den ersten Sommermonaten und erlosch erst, als alle oder nahezu alle der Neuen sie überstanden hatten. 2. Febris recurrens (Kadachat choseret). Es kamen einzelne Fälle vor, doch wurden diese rechtzeitig erkannt und durch ent-