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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 5 · p. 289

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 5
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1923-01-01
Page
289 (sequence 9)
Language
German
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Aus dem religiösen Leben der Ostjuden 289 betrachtet, zumal schon früher der Lehrer des Chatham Sofer: der allgemein geachtete R. Pinchas Hurwitz, Rabbiner in Frankfurt am Main und — als Schüler des großen Maggid von Meseritsch — bedeutender Bannerträger des Chassidismus, die deutsche Bibelübersetzung Moses Mendelssohns entschieden abgelehnt und energisch bekämpft hatte. Aber gerade diese Stimmung, die Mendelssohns Übersetzung und Kommentar in kein chassidisches Haus Eingang finden ließ, hat zu deren Verbreitung und Popularisierung unter den Mitnagdim x) und Aufgeklärten viel beigetragen. Mendelssohns Werk wurde zum Ausgangspunkt und Symbol auch der östlichen Haskalah, zum Schibbolet des Kampfes zwischen Chassidim und Aufgeklärten; nicht selten führte es zu häuslichem Zwist zwischen der älteren und jüngeren Generation. Mit der Entstehung und Entwicklung des Chassidismus sind auch viele Testamente von Zaddikim direkt oder durch deren Schüler nach mündlicher Überlieferung entstanden, von denen manche in chassidischen Kreisen große Verbreitung gefunden und als heilige, fast wie ein Ritual zu befolgende Vermächtnisse viel studiert und gelesen werden. Diese Vermächtnisse sind zumeist von kabbalistisch-chassidischem Geiste getragen und berücksichtigen in erster Linie die spezifische Eigenart der chassidischen Lehre, Denk- und Lebensweise. Da das Gebet im Zentralpunkt des Chassidismus steht, handeln sie sehr viel vom Beten. Neben Thorahstudium für die Gelehrten empfehlen sie allgemein die Lektüre von Sitten- und Moralbüchern; ganz besonders die jüngeren Sittenbücher: Eliah de Vidals „Reschit Chochma"2), Eliah Kohns „Schebet Mussar"3), Hurwitz': „Sehne Luchot ha Brithu und von den älteren: Bachjah ben Pakudas „Chobot Harbabot"4). Natürlich enthalten alle Testamente auch allgemeine sittlich fromme Lehren und Unterweisungen. Durch die schriftliche Aufzeichnung eines Schülers ist uns das Testament R. Israel Baal Scherns erhalten geblieben, das unter dem Titel „Zewaat ha Ribasch (RIBaSch Anfangsbuchstaben von Rabbi Israel Baal Schern) we hanhagot jescharot" (= rechtschaffene Lebensführung) veröffentlicht wurde. Das Testament ist sehr umfangreich (35 Druckseiten), ist oft verlegt worden und unter chassidischen Kreisen sehr verbreitet und populär. Es enthält iti volkstümlicher, konzentrierter Form und leichtem Stil die Lehre Beschts5) und neben allgemeinen fromm-sittlichen Lebensregeln hauptsächlich Weisungen zum intensiven, inbrünstigem Beten. Manchen Ausgaben des Testamentes des R. Israel Baal Schern ist auch das Testament eines seiner Schüler, ohne Nennung des Namens, beigedruckt. Auch dieses Testament enthält Anleitungen zu einem sittlich frommen Lebenswandel. Es ist jedoch ausschließlich an die Nachkommen des Testators *) Die „Entgegenstehenden", Partei der gleichfalls gesetzestreu, aber rabbinisch und daher antichassidisch Gerichteten. a) „Beginn der Weisheit". 3) „Stab der Belehrung". 4) Herzenspflichten". 5) Abkürzung von „Baal Schern Tob", Inhaber des guten Namens. Heft 5. 10

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