Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Wahrheit aus Palästina
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 267 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Wahrheit aus Palästina 267 tums, sondern auch allgemeine Bildung und pädagogisches Geschick in genügendem Ausmaß erfordert; und bei alledem muß er obendrein auch in seinem Äußern und in seinem Benehmen ein Kulturmensch im europäischen Sinne sein, sollen seine Schüler ihn gleich den Lehrern der allgemeinen Fächer respektieren und nicht als „Melamed" betrachten; hat ja die gehörige Aufmerksamkeit des Schülers für den Lehrgegenstand ihre unerläßliche Voraussetzung in der Achtung vor dem Lehrer. Und zu all diesen Bedingungen kommt erst noch 4ie weitere hinzu, daß der Lehrer selbst seinem Volke mit ganzem Herzen und ganzer Seele ergeben ist und aufrichtig danach strebt, seine Schüler in nationalem Geiste zu erzielen. Und wenn wir dabei noch berücksichtigen, daß wir auch noch keine brauchbaren Lehrbücher besitzen und der Lehrer selbst aus dem Nichts schaffen muß, — so werden wir begreifen, wie schwer es ist, wirklich geeignete hebräische Lehrer zu finden, und zugleich damit werden wir erkennen, daß die jüdische Erziehungsfrage in Wirklichkeit in ihrem Kern und Grund eine „Frage der L e h r k r ä f t e" ist, und daß darum diese ganze „Erziehung" nichts als eine schöne Redensart bleibt, solange nicht die Lehrer selbst eine ihrer großen Aufgabe angemessene Ausbildung erhalten. Hier bietet sich mithin ein geeignetes Betätigungsfeld für „tatenlustige** Zionsfreunde, zumal da just jetzt auch die Umstände einer solchen Betätigung günstig scheinen. In diesem Jahre ist in Jaffa eine Schule gegründet worden, die ihre Leiter mit heißinnigem Bemühen zu einer nationalen Erziehungsstätte im wahren Sinne auszugestalten streben. Auch die Alliance steht" diesem Unternehmen freundlich gegenüber und ist bereit, ihm jede mögliche Unterstützung zuteil werden zu lassen, damit es auf dem uns erwünschten Wege sich erfolgreich entwickle. Warum also sollten wir nicht versuchen, dieses Institut der Ausbildung gebildeter hebräischer Lehrer zu widmen, die von ihrer frühesten Jugend an sich ganz der Vorbereitung für ihren hohen Beruf weihen und aus diesem Hause hinausströmen sollen nach Palästina und der Diaspora, um mit sich das Banner des Judentums nach allen Enden der Erde zu tragen? * * * Zur Araberfrage. Aber es ist nicht das allein, vielmehr ist es überhaupt nicht unsere Art, aus der Vergangenheit irgend etwas für die Zukunft zu lernen. Denn das hätten wir gewiß aufc unserer Geschichte in der Vergangenheit und Gegenwart lernen können, wie sehr wir darauf achten müssen, ja nicht durch häßliche Handlungen den Zorn der Landesbevölkerung gegen uns zu erregen, wie vorsichtig wir in unserem Umgange mit einem Fremdvolke sein müssen, in dessen Mitte wir uns neu ansiedeln wollen, wie wichtig es ist, Freundlichkeit und Achtung und selbstverständlich Recht und Redlichkeit ihm gegenüber zu betätigen. Und was tun unsere Brüder in Palästina? Just das Gegenteil! Knechte waren sie im Lande ihrer Verbannung, und plötzlich finden sie sich selbst in einer Freiheit ohne Grenzen, in einer ungezügelten Freiheit, wie sie