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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 5 · p. 268

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 5
Article
Wahrheit aus Palästina
Date
1923-01-01
Page
268 (sequence 12)
Language
German
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268 Ach ad Haam: Wahrheit aus Palästina sich nur in der Türkei finden läßt. Dieser plötzliche Wandel hat in ihnen eine Neigung zum Despotismus entstehen lassen, wie das stets der Fall ist, „wenn ein Knecht zur Herrschaft kommt", und sie behandeln die Araber feindselig und grausam, verkürzen ihr Recht auf unredliche Weise, beleidigen sie ohne jeden genügenden Grund und rühmen sich solcher Taten noch; und niemand tritt gegen diese verächtliche und gefährliche Neigung auf. Wohl haben unsere Brüder recht, wenn sie sagen, daß der Araber nur den achte, der ihm Kraft und Mut zeigt; das gilt aber nur dort, wo er zugleich fühlt, daß das Recht auf Seite seines Gegners steht; anders aber, wenn er das Tun seines Gegners für Bedrückung und Rechtsraub halten darf: wenn er auch dann schweigt und sich zurückhält, bis seine Zeit kommt, so bleibt doch der Grimm in seinem Herzen, da er rachsüchtig ist wie kein anderer. * * * Tief bekümmert kam ich, nachdem ich das Land durchzogen und in Jaffa und den Kolonien gesehen hatte, was da zu sehen war, am Vorabend des Pessachfestes nach Jerusalem, um meines Herzens Klage vor „Holz und Stein", dem Reste unserer Pracht aus grauer Vorzeit, auszuschütten. Mein erster Weg führte selbstverständlich zur Tempelwand. Dort fand ich viele unserer Brüder von den Einwohnern Jerusalems in lautem Gebet, ihre mageren Gesichter in seltamer Bewegung, und in sonderbaren Gewändern — ganz entsprechend dem trostlosen Anblick der Tempelwand. Und wie ich da stehe und die Mauer betrachte, erfüllt ein Gedanke alle Fasern meines Herzens: diese Steine sind Zeugen der Zerstörung unseres Landes, und diese Menschen — der Zerstörung unseres Volkes. Welche dieser Zerstörungen ist die schwerere? Welche sollen wir tiefer beklagen? Wenn ein Land zerstört, das Volk aber noch voll Lebenskraft ist, — dann erstehen ihm ein Serubabel, Esra, Nehemia, die das Volk mit sich reißen und das Land wieder aufrichten; wenn aber das Volk zerstört ist, wer kann ihm dann erstehen und woher ihm seine Hilfe kommen? — Und wäre in dieser Stunde über mich der Geist eines Rabbi Jehuda Halewi gekommen, daß ich wie er über den Zusammenbruch meines Volkes hätte klagen können — meine Klage hätte nicht „Zion" gegolten, sondern—Israel*

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