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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 5 · p. 266

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 5
Article
Wahrheit aus Palästina
Date
1923-01-01
Page
266 (sequence 10)
Language
German
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266 Ac had H aam: Selbstverständlich besitzt nicht jeder Lehrer die Fähigkeit zur Übersetzung und Erfindung neuer Termini dort, wo sie fehlen, und diese schwere Arbeit veranlaßt den Lehrer auch, nach Möglichkeit zu kürzen. Da er auch nicht die Möglichkeit hat, die Dinge mündlich ausreichend zu erklären — da diese Erklärung in der Unterrichtsstunde gleichfalls in hebräischer Sprache erfolgt — kommen die Schüler mit ärmlichen und lückenhaften Kenntnissen aus der Schule, und ihr ganzer geistiger Besitz ist der hebräische Wortschatz mit einigen Bruchstücken aus verschiedenen jüdischens und allgemeinen Gegenständen, die in ihrem Geiste nicht gut haften können. Der für eine Besserung dieser Zustände maßgebende Grundsatz ist mithin: die wahre nationale Erziehung wird in Palästina wie in der Diaspora durch richtige Kenntnis der hebräischen Sprache, der jüdischen Literatur und Geschichte erreicht, die den Kindern nach wohlüberlegter Methode gegeben werden und von Anfang bis zu Ende darauf angelegt sein soll, sie mit den Gefühlen der Liebe und Achtung für ihr Volk und Land zu erfüllen und in ihnenr zugleich das Verlangen wachzurufen, für ihr Volk zu arbeiten und zu seiner nationalen Wiederbelebung mit beizutragen. Und diesem Ziele wird es gar nicht schaden, wenn man, solange die hebräische Sprache nicht dazu geeignet ist, die Wissenschaften auch in Palästina in irgendeiner europäischen Sprache unterrichten wird, wenn nur der Knabe zugleich auch seine Verpflichtung erkennen lernt, sich der erworbenen Kenntnisse im Interesse seiner Nation zu bedienen. Diese Frage bildet in der Tat den Kernpunkt des ganzen Problems und sie beschränkt sich durchaus nicht auf Palästina allein. Vielmehr gehört auch die Erziehung der Jugend in der Diaspora nicht minder, ja vielleicht noch in höherem Grade hierher, als die der Kinder in Palästina. Wie ich oben bereits sagte, kann der Forderung einer solchen Erziehung durch Einlernen hebräischer Phrasen nebst irgendwelchen oberflächlichen und äußerlichen Kenntnissen der Bibel und jüdischer Geschichte noch nicht Genüge getan werden. Ein solcher hebräischer Unterricht führt, wenn die Schüler daneben auch allgemeine Gegenstände und das Studium europäischer Sprachen treiben, bei ihnen im Gegenteil zu einem Gefühl verächtlicher Geringschätzung ihres Volkes und seiner nationalen Güter, die ihnen nur anekdotenhaft, nicht in einem zusammenfassenden und eindringenden Gesamtbild bekannt werden und ihnen darum armselig und wertlos erscheinen. — Jedoch ist zu unserem Unglück eine tiefere, der Bildung unserer Zeit besser entsprechende hebräische Erziehung in den meisten Fällen unmöglich, und zwar aus dem einfachen Grunde des Fehlens geeigneter Lehrkräfte. So weiß ich aus verläßlicher Quelle, daß die Alliance Isra61ite es selber bedauert, daß die hebräischen Fächer nicht den verdienten Platz im Lehrplan ihrer Schulen einnehmen, und diesen Übelstand auf den Mangel an Lehrern zurückführt. Und in Wahrheit ist der hebräische Unterricht gegenwärtig eine überaus schwierige .Arbeit, die von Seiten des Erziehers nicht nur umfassende Kenntnisse auf allen Gebieten des Juden-

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