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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 5 · p. 265

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 5
Article
Wahrheit aus Palästina
Date
1923-01-01
Page
265 (sequence 9)
Language
German
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Wahrheit aus Palästina 265 Noch hätte ich manches betreffs der Erziehungsfrage, d. h. betreffs der Frage des Hebräischsprechens in den palästinensischen Schulen zu antworten, aber ich muß gestehen, daß ich hier in Wahrheit aus verschiedenen Anzeichen die Spuren jenes „inneren Sehnens** erkenne, das zum Vertrauen führt. Wer weiß, vielleicht wird dieses Vertrauen stark genug sein, um Wunder zu wirken ... 1 * 5|C * Die nationale Erziehung. Wenn wir unsere gegenwärtige Lage im Lande und unsere schwachen Kräfte beträchten, so richten wir notwendig unsere Blicke auch auf die Zukunft und wollen glauben, daß das kommende Geschlecht besser und stärker sein werde als wir, und daß dieses auf dem von uns erwünschten Wege vorwärts schreiten werde. Zweifellos ist darum die Erziehung der Kinder in einer unserem Ziele angemessenen Weise einer der wichtigsten Zweige unserer Arbeit. Nun ist es den Zeitschriften in den letzten Jahren gelungen, in unserem Herzen den Glauben zu befestigen, daß die Schulen in Palästina unserem Zwecke auf das beste entsprechen, weil sie ihren Schülern eine hebräische, nationale Erziehung zugleich mit genügenden allgemeinen Kenntnissen bieten. In Wirklichkeit ist dem aber nicht so. Es gibt in Palästina zwei Arten von Schulen. Jene, die von unseren Brüdern im Westen noch vor dem Erwachen der nationalen Bewegung gegründet wurden, und jene, die später (besonders in den Kolonien) infolge dieser Bewegung entstanden. In den ersten legt man besonders auf die allgemeine Bildung und Kenntnis der europäischen Sprachen Gewicht, während sie in bezug , auf jüdische Erziehung nicht viel mehr wert sind als die gleichartigen Schulen in Europa. Ihre Zöglinge sind darum nach Verlassen der Schule notwendigerweise bestrebt, in die Weite, in die große Welt hinauszuziehen, und verlassen bei der erstbesten Gelegenheit das Land. — Die zweiten aber (und diese sind es, die sich besonders ihres nationalen Geistes rühmen) sehen diesen Geist im Hebräisch-Sprechen und darin, daß sie alle Disziplinen gleichfalls in hebräischer Sprache lehren. Aus der Ferne nimmt sich all das recht schön aus; wer aber mit seinen Ohren hört, wie Lehrer und Schüler gleicherweise in ihrer Sprache stammeln, weil ihnen der richtige Ausdruck nicht zur Verfügung steht, merkt sogleich, daß dieses „Sprechen" weder im Herzen des Sprechenden, noch in dem des Hörenden ein Gefühl der Achtung und der Liebe für diese kümmerliche Sprache erwecken kann, und der zarte Geist des Kindes (das gleichzeitig zumeist auch Französisch lernt) empfindet noch stärker die künstlichen Fesseln, die ihm das hebräische Sprechen auferlegt. Noch mehr aber als das Sprechen an sich ist der Unterricht in den verschiedenen Wissenschaften in hebräischer Sprache von Schaden, da wir nicht nur für die allgemeinen Wissenschaften, sondern selbst für die jüdischen Disziplinen noch keine geeigneten Lehrbücher besitzen und die Lehrer all das selbst aus Lehrbüchern in den europäischen Sprachen übersetzen und auf Grund ihrer Niederschriften die Schüler unterrichten.

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