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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 5 · p. 263

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 5
Article
Wahrheit aus Palästina
Date
1923-01-01
Page
263 (sequence 7)
Language
German
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Wahrheit aus Palästina 263 unserem Wege sind; und wenn „alle Juden Zionsfreunde" sind, wenn in ihren Herzen jenes wahre Sehnen lebt, dann wird als seine Folge auch das Vertrauen zu ihrer Kraft sich einstellen und allem zum Trotz werden sie den Mut haben, vorwärtszuschreiten, die Hindernisse zu überwinden, und endlich — so wollen wir hoffen — durch die Kraft dieses Vertrauens ihre Sache zum Gelingen zu führen. Einer meiner Gegner versichert uns zwar, daß die ganze „Wahrheit", die ich erzählt habe, längst allen Sachkennern unter den Zionsf r eunden offenkundig war. Mag dem so sein. Wir aber müssen dessen eingedenk sein, daß jene „Sachkenner unter den Zionsfreunden" nur die Werber sind, die das Volk für dieSache zu gewinnen haben, während die Geworbenen, die Männer aus dem Volke, deren Aufgabe es sein wird, von Angesicht zu Angesicht den feindlichen Kräften dort im Lande entgegenzutreten und die ganze Last auf ihre Schultern zu nehmen, während diese wirklichen Kombattanten nicht zu den Sachkennern unter den Zionsfreunden gehören, weil die Sachkenner ihnen die eigene „Sachkenntnis" verheimlichen. Und das ist somit der ganze Zweck dieser meiner Aufsätze: daß auch sie, die Söhne des Volkes, die bereit sind, in die Schlacht selbst zu ziehen, den wahren Sachverhalt kennen. Und nur dann, wenn sie alles wissen und gleichwohl sagen: „Trotz alledem!", können wir überzeugt sein, daß sie die wahre Zuversicht besitzen, und dann — werden sie mit Gottes Beistand hinausziehen, um zu dulden und zu kämpfen, und ihr Name wird ein Segen bleiben. Solange aber die Sachkundigen nicht in die Schlacht ziehen und die in den Kampf Ziehenden nicht Sachkundige sind, haben wir kein Recht, uns auf die Macht des Vertrauens zu verlassen, weil dieses Vertrauen in Wahrheit sich nur in der Brust jener Sachkundigen finden kann, während die Einwandernden selbst (mit sehr geringen Ausnahmen) kein wahres Sehnen nach dem eigentlichen Zweck im Herzen tragen, sondern nur nach jenem materiellen Glück verlangen, das sie in Palästina auf leichte Art zu erreichen hoffen. Ihre Zuversicht ist mithin ein „Irrtum auf Grund der Unkenntnis",, und darum hat sie zumeist auch nur so lange Bestand wie der Irrtum, d. h. so lange, bis sie nach Palästina kommen und dort auf die nackte „Wahrheit" stoßen. „Nachschon sprang ins Meer!" (nach der Agada sprang Nachschon, der Stammesfürst Judas, im Vertrauen auf Gottes Wort als erster in die Fluten des Schilfmeers, das nach ihm ganz Israel trockenen Fußes durchzog) — ruft einer meiner Kritiker aus. Richtig. Aber Nachschon wußte, daß er ins Meer springe, und tat es dennoch, weshalb wir behaupten dürfen, daß sein Vertrauen echt war. Hätte aber Moses Nachschon die Augen verbunden und ihm gesagt: „Geh* ohne Furcht vorwärts, denn das Meer ist bereits in festes Land verwandelt" und Nachschon wäre in diesem Glauben hineingesprungen, — was hätte er dann getan, sobald er seines Irrtums gewahr geworden wäre? Sicherlich hätte er sich unter tausend Verwünschungen wieder zurückgeflüchtet, wenn er nicht, vom Übermaß plötzlichen Schreckens gelähmt, in die Tiefe gesunken wäre ... * * *

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