Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Wahrheit aus Palästina
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 260 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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26o Achad Haam: sie aufzuhalten vennöchten — sondern an des Volkes Führer und Leiter, seine Schriftsteller und Berater aller Art, die es auf Palästina hinweisen und bemüht sind, dort einen Haufen von Steinen zusammenzutragen, ohne zwischen ganzen und zerbrochenen zu unterscheiden, ohne Ordnung und Einheitlichkeit und ohne festen Plan. * * * Bei Gott! ich schäme mich, in einer so einfachen Sache so viele Worte machen zu müssen. Was sollte ich aber anderes tun, da ich aus den Worten meiner Kritiker ersehe, daß auch dij besten Zionsfreunde aus Not und großer Geschäftigkeit das Alphabet der Zionsliebe vergessen haben und den, der sie etwa daran erinnert, erstaunt anblicken, ohne zu wissen, was er da redet, als künde er ihnen neue, niemals erhörte Dinge, „tiefgründige, philosophische Forschung aus der Welt der Abstraktion"! Nach ihnen betrachte ich die Siedlung „als eine Bewegung zur Belebung der Nation im geistigen, aber nicht im materiellen Sinne"; ich wolle in Palästina „Männer" ansiedeln, „die seine Frucht nicht zu essen und seinen Ertrag nicht zu genießen brauchen"; mit erstaunlicher Naivität belehren sie mich über den Lauf der Welt, wonach „in der Welt der Praxis* * der Mensch ohne Speise und Trank nicht auskommen kann, weshalb auch die Kolonisten in Palästina das Recht haben, dort eine Antwort auf die Nahrungsfrage zu suchen. Jeder, der gerade und logisch denkt, muß sich sicherlich wundern, daß ich, der ich in der Welt der Abstraktionen lebe und dem die Brotfrage für nichts gilt, mich all den „Geschäften" in der Landwirtschaft widersetze, deren Ausgang zweifelhaft ist, allen jenen in der Luft schwebenden Gesellschaften, die die Armut und den Schacher in Palästina zu vermehren geeignet sind; während sie, die mit ihrem Wissen nicht zurückhalten, daß die Einwanderer in Palästina von dem Ertrage des Landes essen müssen, — alles gut und schön finden und voller Freude darüber sind, daß die Siedlung wächst, auf welche Weise das auch immer geschieht; während sie nicht daran denken, daß diese Siedlung nur ein Geröllhaufen werden kann, wenn die Nahrungsfrage nicht auch eine Lösung in einer unserem Zweck entsprechenden Weise findet und man erst nach solchen unnatürlichen und erniedrigenden Lösungen suchen muß, wie die außerhalb des Landes..- Es ist aber gar nicht meine eigentliche Absicht, meinen Kritikern zu zeigen, daß sie das, worauf sie antworten, nicht richtig gelesen haben. Ich will vielmehr auf einen anderen, seltsameren und traurigeren Umstand hier die Aufmerksamkeit lenken: wie ich nämlich schon oben gesagt habe, ersehe ich aus den Worten meiner Gegner im ganzen, aus den langen Tiraden über die „Leiden und Qualen", womit sie mir zu beweisen vermeinen, daß jetzt nicht die Zeit sei zu vielem „Philosophieren", — daß die „Zionsliebe" nicht nur in der Praxis, sondern auch in der Theorie immer mehr in der Frage der „Auswanderung" aufgeht, daß die Zionsfreunde binnen kurzem sich in gewöhnliche Philanthropen verwandeln