Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Wahrheit aus Palästina
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 259 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Wahrheit aus Palästina 259 frage suchen, in stiller Geduld Arbeit und Mühsal auf sich nehmen und trotz aller Hindernisse mutig ihren einmal gewählten Weg weitergehen werden, bis sie durch redliche und nützliche Arbeit im Schweiße ihres Angesichtes, die sie zu einem Muster für das ganze Volk machen und ihnen auch die Herzen der Landesbewohner gewinnen wird, eine befriedigende Antwort auf ihre Frage gefunden haben. Anders, wenn nach Palästina „ein bunter Haufe unbemittelter Auswanderer und Glücksjäger kommt, die da ihr Brot durch welche Arbeit immer zu finden oder aus bloßen Einkünften reich zu werden hoffen, wie sie es in der Diaspora gewohnt waren". Dann droht die Gefahr, daß sie, sobald sie erkennen, daß die großen Hoffnungen, die sie mitgebracht, nicht in Erfüllung gehen, auf jeden „Erwerb" sich stürzen werden, der sich ihnen bietet, sei er auch nicht so reinlich, wenn er nur so leicht ist, wie «sie es wünschen. Und außer dem inneren Zusammenbruch, den das mit sich brächte, werden sie durch die Konkurrenz in jedem Erwerbszweig mit all den Übeln Folgen und den häßlichen Charaktereigenschaften, die sich daraus ergeben, auch noch den Haß der einheimischen Bevölkerung gegen uns entfachen; und am Ende „werden wir, statt eine radikale und ewige Antwort auf die Frage des Judentums zu finden, eine neue Juden frage auch im Lande unserer Väter geschaffen haben", und unsere letzte Hoffnung wäre für ewig zerstört. In diesem Sinne sagte ich in meinem Aufsatz, daß „die Besiedlung Palästinas keine Antwort auf die Brotfrage jedes Einzelnen, sondern auf die Existenzfrage der Gesamtheit im ganzen" sei, und nur echte oder gemachte Naivität kann diese klaren Worte dahin deuten, als hätte ich gesagt, daß jeder Einzelne, der nach Palästina kommt, nur für das Gesamtwohl sorgen dürfe und es ihm untersagt sei, sich darüber Gedanken zu machen, was er essen soll! Nicht das Holz und die Steine selbst sorgen für die Zukunft des ganzen Gebäudes, sondern die Bauleute sind bestrebt, poites und dauerhaftes Material zu wählen, alles auf den richtigen Platz zu stellen, so daß von selbst der ganze Bau stark und schön ersteht. Nicht von den Ansiedlern habe ich somit gefordert, daß sie einzig zum Zwecke des Allgemeinwohles sich ansiedeln, sondern die Leiter der ganzen Sache habe ich aufgefordert, diese dermaßen einzurichten, daß sie die ihrer Würdigen an sich zieht, die Unwürdigen fernhält (würdig und unwürdig nach Maßgabe ihrer physischen und sittlichen Kräfte, ihrer Liebe zur Arbeit, Friedlichkeit und Genügsamkeit); und von den Schriftstellern und Rednern verlangte ich zweckbewußtes Handeln statt des Sammeins von unbrauchbarem Material zu unserem Bau durch erfundene Schönfärbereien und wacklige Projekte: von den Männern der Tat, die sich mit dem Bau befassen, daß sie nicht einzeln für sich vorgehen und den Gesamtbau durch ihre überstürzten Sonderbemühungen gefährden; und überhaupt richteten meine Worte sich nicht an die Masse der Unglücklichen, die eine Antwort auf die Brotfrage suchen — sie wandern unter dem harten Gebote des Hungers in eiliger Flucht aus und es wäre Torheit, zu glauben, daß Worte X7*