Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 7 (Oktober 1916)
- Article
- Palästina-Rundschau
- Date
- 1916-10-01
- Page
- 495 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
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Daten und Materialien 495 Produktion entstanden Kooperationen aller Art. Es wurden Arbeiterküchen, genossenschaftliche Bäckereien und Waschanstalten in Jaffa, Jerusalem, Petach-Tikwah, Rehowöth, Ness-Zionah und anderwärts neugegründet oder erweitert. Dabei fanden auch viele Arbeiterinnen Beschäftigung. Der Gedanke der Arbeitsgenossenschaften (nach Art der italienischen, oder der russischen „Artjeli") hat schon vor dem Kriege im Lande Eingang gefunden, im Kriege schlössen sich viele Arbeitslose in Gruppen dieser Art zusammen, um mit Ausschaltung der Unternehmer, von Einzelpersonen und Gesellschaften, städtischen und Kolonieverwaltungen die Durchführung von bestimmten Arbeiten zu übernehmen. So entstand in Petach-Tikwah eine Genossenschaft „Achwah," der einige Kolonisten die Pflege ihrer Orangengärten und Weinberge überließen. Sie führte ihre Aufgabe zur vollen Zufriedenheit der Auftraggeber durch und zahlte ihren Mitgliedern außer dem festen Tagelohn von 2 Fr. noch 17 cts. Mehrgewinn. Ihrem Beispiel folgten andere Gruppen, wie „Amal" und „Awodah" (Arbeit). Andere Akkordgenossenschaften übernahmen Nivellierung von Dünen, Wegebauten, Ameliorationsarbeiten u. a. m. Auch städtische Arbeiter bildeten kleine Produktivgenossenschaften, hauptsächlich im Bekleidungsgewerbe. Diese Gründungen waren nur möglich dank einer planmäßigen Inangriffnahme von öffentlichen und Notstandsarbeiten durch eine Reihe von gesellschaftlichen Institutionen, wie der Jüdische Nationalfonds und der Amerikanische Hilfsfonds. Dabei bewährte sich in hervorragender Weise die organisatorische und finanzielle Unterstützung der Selbsthilfsaktion der Arbeiterschaft; durch den Palästina-Arbeiterfonds, bezw. sein Vollzugsorgan — das Arbeitsbureau (Lischkath-Awodah). Es sorgte für den Arbeitsnachweis, vermittelte zwischen den Arbeitergenossenschaften und den Arbeitgebern, leistete in mehreren Fällen Bürgschaft und erlegte Kautionen für die Arbeitergruppen, gewährte Lohnvorschüsse, gab Kredite zur Anschaffung von Rohstoffen und Werkzeugen, beteiligte sich an der Gründung von Leihkassen, Arbeiterküchen und anderen Konsumanstalten. Uber den Umfang dieser Arbeit, für die hauptsächlich das Poale-Zion-Palästina-Komitee in New York die Mittel bereitstellte, geben die uns vorliegenden Bilanz und Rechnungsabschluß für die Zeit vom 1. Oktober 1914 bis zum 1. Oktober 1915 Aufschluß. Zur Erhaltung der Arbeitsbureaus in Jaffa und Haifa wurden über Fr. 3600.—, für die gleiche Institution in Jerusalem über Fr. 3500. — ausgegeben. Die Förderung der Ottomanisierung und die politische Situation erforderten ca. Fr. 3400.— Gegen Fr. 9200. — wurden als Darlehen gewährt, an verschiedene gewerkschaftliche, genossenschaftliche, kulturelle Institutionen und Konsumvereine der jüdischen Arbeiter in Stadt und Land. Die gesamten Aufwendungen des Palästina-Arbeiterfonds im Jahre 5675 erreichten Fr. 21 547.— Das Komitee zur Durchführung von öffentlichen Arbeiten in Jaffa verausgabte nach den zugänglichen Berichten bis Mitte April 1915 Fr. 11 000.—. Es betätigte sich in enger Gemeinschaft mit den Vertretern der Arbeiterschaft in ähnlicher Weise wie das Arbeitsbureau. So organisierte es die Nivellierung von Bauplätzen bei Jaffa, bei der ca. 100 Arbeiter beschäftigt waren. Die Löhne waren um 30% niedriger, als die normalen. Die Arbeiter verdienten von Fr. 1,60 bis 2,40 pro Tag. Um eine möglichst große Anzahl von Arbeitslosen zu beschäftigen, wurde ein bestimmter Turnus eingeführt, so daß jeder Arbeiter nur 12 Tage im Monate gearbeitet hat. Der monatliche Verdienst schwankte zwischen 19 bis 30 Fr. Für qualifizierte Arbeiter gewährte das Komitee Arbeitskredite an Arbeitgeber, die über die nötigen Rohstoffe verfügten. Auf diesem Wege wurden gegen 80 Arbeiter dauernd beschäftigt. Interessant ist der Versuch des Jaffaer Komitees, eine Arbeitsgenossenschaft bei den Eisenbahnbauten in Kalkilia unterzubringen. Es war anfänglich eine Akkordgruppe von 35 Yemeniten, die jetzt bereits auf 100 Arbeiter angewachsen ist und auch von Oberingenieur Meißner-Pascha als durchaus zufriedenstellend bezeichnet wurde. Vom Komitee für öffentliche Arbeiten in Jerusalem liegt ein Bericht vom Mai bis August 1915 vor. Es wurden 202 Arbeiterfamilien mit 664 Seelen in verschiedenen Gewerbezweigen mit Arbeitskrediten unterstützt, im Gesamtbetrage von Fr. 8827. Beide Komitees erhielten die erforderlichen Mittel vornehmlich vom amerikanischen Hilfsfonds. In Haifa ermöglichte die Immobiliengesellschaft „Palästina** die Durchführung von größeren Arbeiten. Die Akkordgruppen wurden von dem Beth-Hapoalim bezw. dem Arbeitsbureau organisiert. Notstandsarbeiten auf dem Lande wurden fast ausschließlich von dem Jüdischen Nationalfonds veranstaltet, und zwar in erster Reihe in Galiläa. Im ersten Kriegs jähre wurden in den Kolonien Merhawjah und Kinereth 20 Arbeiterhäuser mit dem Aufwand von Fr. 30 000. —