Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 7 (Oktober 1916)
- Article
- Palästina-Rundschau
- Date
- 1916-10-01
- Page
- 494 (sequence 2)
- Language
- German
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Daten und Am wenigsten litten die Mandelpflanzer, da die Mandeln Lagerung gut vertragen und im Lande selbst relativ günstige Preise erzielt werden konnten. Sie fanden in Beyruth, Damaskus, Aleppo und sogar in Konstantinopel Absatz. Der Ertrag beläuft sich auf 300000 Fr., gegenüber dem normalen Verkaufswert von ca. 450 000 Fr. Das judäische Winz er -Syndikat „Karmel" konnte noch mit besonderer Erlaubnis der Anglo-Ägyptischen Regierung bis zum 31. Mai 1915 einen Teil seiner Weine auf neutralen Schiffen ausführen, hauptsächlich nach Amerika, ein geringeres Quantum selbst nach Ägypten. Erst am 1. Juni 1915 wurde die völlige Blockade über die syrischen Häfen verhängt. Etwa die Hälfte der Weinernte des Jahres 1914 wurde derart veräußert. Billigere Weine wurden zum Teil zu Alkohol verarbeitet. Von den 600000 Kisten Orangen des Jahres 1914 konnten hingegen nur 20 Proz. abgesetzt werden. Der Rest wurde zu Schleuderpreisen im Lande verkauft, ein Teil der Orangenernte blieb ungepflückt. Das Wirtschaftsjahr 1914/15 (5675) gestaltete sich für die Orangengärten besonders kritisch, weil die Erlaubnis zum Einführen von Petroleum zum Betrieb der Bewässerungsmotoren nicht zu erlangen war. Die noch vor der Bewässerungszeit plötzlich aufgetretene Heuschreckenplage hat freilich für den größten Teil der Orangenkultur die Bewässerungsfrage im Sommer 1915 gegenstandslos gemacht. In diesem Jahre hilft man sich zum geringeren Teil durch Göpelantrieb, hauptsächlich jedoch durch den Umbau der Petroleummotoren zu Kraftgasmaschinen, die mit Koks, aber auch mit Holzkohle betrieben werden können. Die Schwierigkeiten des Absatzes, die Erschütterung des Kreditwesens des Landes, die Vernichtung der Ernte durch die Heuschrecken haben die judäischen Pflanzer vor die Notwendigkeit gestellt, eine Anleihe aufzunehmen, um die Pflege der Pflanzungen zu sichern. Der jährliche Geldbedarf für die Bearbeitung der bepflanzten Ländereien in Judäa wird folgendermaßen berechnet: Orangen, ca.77ooDunam zuFr. 150.— 1155000 Fr. Weinpflanzungen, ca. i2 00oDunamäFr. 25.— 300000 ,, Mandelpflanzungen, ca. 27 000 Dunam ä Fr. 20. — 540 000 ,, Oliven, ca. 4500Dunam ä Fr. 10. — 45000 „ Eukalyptus und div. Pflanzungen, ca. 2200 Dunam ä Fr. 10. — 22000 „ zusammen 2 062 000 Fr. Materialien Die Wirtschaftsausgaben des Ackerbaues in Judäa werden mit 350000 bis 500 000 Fr. geschätzt. Das gesamte Gelderfordernis erreicht somit 2V2 Millionen Francs. Etwa die Hälfte des Betrages soll nach den Vorschlägen der Organisation der judäischen Kolonien auf dem Wege einer Anleihe aufgebracht werden. Die Orangenbesitzer erhielten bekanntlich von einer jüdischen Gruppe in den Vereinigten Staaten im Jahre 1915 ein Darlehen von 200000 Fr. In diesem Jahre gewährte ihnen einen gleichen Vorschuß die Jewish Colonization Association. Auch den Wein- und Mandelpflanzern wurde eine Anleihe im Betrage von 200000 Fr. auf dem Wege privater Zeichnungen durch das Provisorische Zionistische Exekutivkomitee in Amerika gesichert. 2. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit Es versteht sich von selbst, daß die ländlichen und städtischen Arbeiter Palästinas unter den verheerenden Wirkungen der ökonomischen Krise am härtesten zu leiden hatten. Es ist vorderhand noch nicht möglich, ein vollständiges Bild der Lage der Arbeiter während des Krieges zu geben. Was wir bisher an verläßlichen Nachrichten besitzen, gibt uns aber schon jetzt ein Recht zu sagen, daß die jüdische Arbeiterschaft Palästinas in dieser schweren Zeit des chronischen Arbeitsmangels und der furchtbaren Teuerung ihren guten Überlieferungen der organisierten Selbsthilfe, der proletarischen Solidarität und des hohen Verantwortlichkeitsgefühls treu geblieben ist. Die politischen und gewerkschaftlichen Verbände der Arbeiter in Stadt und Land schlössen sich einträchtig zusammen. Sie konnten leider eine teilweise Abwanderung der hoffnungslos gewordenen Arbeitslosen (zunächst nach Ägypten) nicht verhindern. Die Zahl der Ausgewanderten betrug etwa 1000, davon die größere Hälfte landwirtschaftliche Arbeiter. Den Abzug dieser empfand man in Palästina am schmerzlichsten; aus der Kolonie Petach-Tikwah allein wanderten ca. 250 Landarbeiter aus. Es ist übrigens typisch, daß die sogenannten privatwirtschaftlichen Kolonien es am wenigsten vermochten, ihren Lohnarbeitern gesicherte Arbeitsgelegenheit zu verschaffen. Daher die auffallende Zusammendrängung der jüdischen Landarbeiter in Betrieben, die vom nationalen oder gesellschaftlichen Kapital ins Leben gerufen wurden. Was die Aktion der Arbeiterschaft gegen Teuerung und Beschäftigungslosigkeit auszeichnet, ist die weiteste Anwendung des Mittels des genossenschaftlichen Zusammenschlusses. Sowohl auf dem Gebiete des Konsums, wieder