Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 7 (Oktober 1916)
- Article
- Palästina-Rundschau
- Date
- 1916-10-01
- Page
- 496 (sequence 4)
- Language
- German
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496 Daten und Materialien erbaut. In denselben Kolonien wurden Assanierungsarbeiten veranlaßt, wie die Entsteinung und Umzäunung von Terrains, Austrocknung von Sümpfen. In diesem Jahre werden in Merhawjah Entwässerungsarbeiten durchgeführt, in Kinereth wird ein Arm des Jordans verschüttet. Für diese Zwecke wurden vom Jüdischen Nationalfonds Fr. 20 000. — zur Verfügung gestellt. In Judäa sind derartige Ameliorierungen auf den Ländereien des JNF nicht notwendig, so daß auf diesem Wege den Arbeitslosen nicht geholfen werden kann. Hier hat der jüdische Nationalfonds einen Kredit von Fr. 10 000.— für die Bereitstellung eines Mehlvorrats für die judäischen Landarbeiter bewilligt. Aus diesem Vorrat erhalten Arbeiter auf Grund von Lohnscheinen kreditfähiger Arbeitgeber Mehl und Brot. Der Zweck dieser Maßregel ist, Verluste bis 30 und 40% zu verhindern, die die Arbeiter bei dem Umtausch von Lohnanweisungen bei sonstigen Händlern erlitten haben. Die Maßregel wirkt überdies wie ein Arbeitskredit an Kolonisten, die nicht in der Lage sind, ihre Mittel für die Wirtschaftsführung augenblicklich flüssig zu machen. Schließlich hat der Jüdische Nationalfonds aus den Eingängen für die Notstandsaktion jüngst einen namhaften Kredit für die Förderung des Gemüsebaues bewilligt. Für die sorgfältige Bearbeitung einer Fläche von 5 Dunam (durch eine Arbeitergruppe), sowie für qualitativ besonders gute Erzeugnisse sollen auch Preise verteilt werden. 3. Statistisches. Es besteht leider keine lückenlose Statistik der jüdischen städtischen und ländlichen Siedlungen in Palästina. Bei der Stadtbevölkerung ist man gänzlich auf Schätzungen angewiesen, bei den Kolonien bieten die Berichte der ICA (Jewish Colonisation Association) verläßliche Angaben, sowie gelegentliche Zählungen des Palästinaamtes und der Arbeiterorganisationen. Noch mangelhafter sind die anderen Gebiete der Statistikerhebung des Viehbestandes, der Produktionskosten und Erträge pro Flächeneinheit in verschiedenen Wirtschaftszweigen, der Kolonisten- und Arbeiterbudgets usf. Es soll hier versucht werden, den gegenwärtigen Stand der Bevölkerung in den jüdischen ländlichen Siedlungen zu berechnen. Wir gehen dabei von der Voraussetzung aus, daß die landwirtschaftliche Bevölkerung Galiläas während des Krieges keine Minderung ihrer Zahl erfahren hat. Im Gegenteil, im Laufe des letzten Halbjahres hat ein Zufluß von Arbeitern aus Judäa stattgefunden, wo die Arbeitslosigkeit bekanntlich viel schwerere Formen als in Galiläa angenommen hat. Eine Zählung in den Kolonien und Farmen in Judäa gegen den 1. April 1915 ergab trotz der nicht unbeträchtlichen Abwanderung, speziell von Arbeitern, seit dem Kriegsausbruch einen Zuwachs gegenüber dem Jahre 1913, für welches wir im Berichte der ICA wertvolle Zahlen besitzen. Die Seelenzahl beträgt rund 7500. Davon sind 2735 Kolonisten samt Angehörigen, die Arbeitersiedler von En- Ganin undNachlath-Jehudah inbegriffen, gegen 2380 jemenitische und aschkenasische Arbeiter (inkl. die der Kellereien von Rischon), über 1260 Handwerker und etwa 1115 Berufslose. Die Zahl der Ländarbeiter möchten wir mit Vorbehalt verzeichnen. — In Samaria zählte die ICA 1913 in ihren Kolonien 1509 Seelen. Farmarbeiter und den wahrscheinlichen Zuwachs hinzugerechnet, können wir für die Siedlungen von Hederah bis Haifa eine Seelenzahl von 1600 einsetzen. In Untergaliläa gab es in den ICA- Kolonien 860 Seelen, dazu kommen rund 500 Arbeiter in den genossenschaftlichen Betrieben auf den Ländereien des Jüdischen Nationalfonds und in privaten Farmen, zusammen 1360 Seelen. In 6bergaliläa zählte die ICA 1913 über 930 Kolonialbewohner. Die gesamte ländliche Bevölkerung ergibt sich derzeit mit rund 11400 Köpfen. Es kann daher mit ziemlicher Genauigkeit angenommen werden, daß die Zahl der Juden in den ländlichen Siedlungen unmittelbar vor dem Kriege 12 000 überschritten hat. S. K. Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Max Mayer, Berlin-Wilmersdorf, Uhlandstraße xxo/zii. — Für Österreich-Ungarn: Dr. M. Präger, Wien I, Rotenturmstrafie 22. — Verlag von R. Löwit, Berlin und Wien. — Druck von Oacar Brandstetter in Leipzig.