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Der Jude · 1916-10-01 · Heft 7 (Oktober 1916) · p. 493

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 7 (Oktober 1916)
Article
Palästina-Rundschau
Date
1916-10-01
Page
493 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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DATEN UND MATERIALIEN Palästina-Rundschau i. Kriegsfolgen und Pflanzungskolonien Über die wirtschaftlichen Wirkungen der Kriegslage auf die jüdische Siedlung in Palästina wurde bereits mehrfach berichtet, so daß von einer eingehenden Übersicht abgesehen werden kann. Der Krieg hat vielleicht kein Land so völlig isoliert, von den Quellen seiner Einfuhr und den Märkten seiner Ausfuhr restlos abgeschnitten, wie es Palästina beschieden war. Landwirtschaftliche Betriebe, die wohlhabenden Leuten im Auslande gehören, gerieten in Stockung, weil die Landeigentümer nach dem „feindlichen" Palästina keine Geldbeträge, oder nur sehr unregelmäßig, überweisen konnten. Jede Bautätigkeit hörte auf, da Aufträge und Baumaterialien fehlten; die Einschränkung der ländlichen Wirtschaften hatte nicht nur in den Kolonien drückende Arbeitslosigkeit zur Folge, auch eine Reihe von städtischen Industrien und Gewerben, deren Gedeihen mit dem Fortschritt der Kolonien eng verbunden ist, wurde lahmgelegt. War die Unterbrechung des Goldzuflusses schon eine arge Kalamität, so hat die Schließung der Jüdischen Bank (Anglo Palestine Company) den rettenden Versuch überdies zunichte gemacht, durch die Herausgabe von Bank- Schecks und ähnlichen vereinbarten Zahlungsmitteln durch die Waadim der jüdischen Kolonien das Gold im Tauschverkehr überflüssig zu machen. Man beachte ferner, daß Palästina auf den Import einer ganzen Reihe von allernotwendigsten Arbeitsmaterialien und Verbrauchsgütern angewiesen ist, wie Eisen, Holz, Kohle, Petroleum, Zucker, Kaffee, Reis, Medikamente, und es klingt fast unglaublich, zu den unentbehrlichen aber fehlenden Nahrungsmitteln gehört auch das Mehl. Der Mangel an Transportmitteln und die Unzulänglichkeit der Mühlenindustrie haben die für ein Agrarland seltsame Erscheinung gezeitigt, daß seit Jahren die Mehleinfuhr in der Türkei die Getreideausfuhr übersteigt. So wurde im Jahre 1908/09 für Ltq. 600000 (Fr. 13800000) Mehl eingeführt. In Palästina stieg die Mehreinfuhr von rund Fr. 470000 im Jahre 1904 auf 2V4 Millionen Francs im Jahre 1910 (im Hafen von Jaffa). Die Ausdehnung der Pflanzungskulturen hat die Lage in den letzten Jahren natürlich nicht verbessert. Die Ansammlung von beträchtlichen Truppenmassen in Syrien und Palästina hat die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung noch mehr erschwert. Nachstehende Tabelle der Preise im Somrner 1914 und Ende 1915 gibt einen Begriff von den Leiden der Teuerung, die gegenwärtig auf Palästina schwer lastet: . . . „ v im August 1914 im Dezbr. 1915 Weizen (pro dz) Fr. 21.— Fr. 53.— Mehl „ „ 30.— „ 70.— Brot „ 23.— „ 50. — Erbsen „ 46.— „ 110.— Butter „ „ 430.— „ 705- — Zucker „ „ 43.— „ 470.— Petroleum (f. 1 Kiste) 13.— „ 90.— Es ist in der nächsten Zeit eher eine Verschlimmerung, denn eine Linderung dieser Notlage zu erwarten. Die Maßnahmen der Zentralregierung zur Regelung der Versorgung mit Lebensmitteln gelten naturgemäß in erster Linie der Hauptstadt, Palästina kann auf die Wirkungen dieser Fürsorge kaum rechnen. Andererseits trat durch die von der Kammer im Februar d. Js. beschlossene Ausgabe von Pfundnoten eine schwere Währungskrise ein. Trotz des Zwangskurses und der Strafandrohung erhielt man im März für ein Pfund anstatt 108 Piaster nur 8772- Der Kursverlust wird gegenwärtig mit 25—35% angenommen. Die vorwiegend Ackerbau treibenden jüdischen Siedlungen Unter- und Obergaliläas haben sich in dieser krisenhaften Zeit bedeutend widerstandsfähiger, weil in den meisten Lebensmitteln sich selbst genügend, erwiesen, als die auf Pflanzungen beruhenden Kolonien Judäas. Die Einseitigkeit dieser kapitalintensiven Plantagenwirtschaften war ein Gegenstand der Sorge und der Kritik Einsichtiger schon in Friedenszeiten. Im Kriege offenbarte sich besonders krass die Abhängigkeit der judäischen Pflanzer von den ausländischen Märkten.

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