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Der Jude · 1916-10-01 · Heft 7 (Oktober 1916) · p. 489

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 7 (Oktober 1916)
Article
Die geblieben sind
Date
1916-10-01
Page
489 (sequence 2)
Language
German
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Bemerkungen 489 aber einzig gangbaren. „Eine Sonne am Himmel, ein Lied nur im Herzen und kein zweites." Dieses völlige Ausschalten aller anderen Möglichkeiten, dieses hartnäckige, restlose Sichklammern an das Eine ist der Genius, der zum Kampf gegen alle Gefahren anspornt und die Kraft verleiht, mächtige Hindernisse siegreich beiseite zu schieben, ja sogar die innere Ruhe schenkt, die das Schaffen ermöglicht. Denn darin gipfelt das Wunder: nicht nur zu leiden und zu kämpfen weiß diese Schar der auserwählten Dagebliebenen, sondern auch mitten im Ringen geistig fruchtbar zu sein. Schon lange wurden in Palästina nicht mehr literarische und wissenschaftliche Werke in solcher Fülle und von solchem Werte geschaffen, wie gerade jetzt. Von den literarischen Ergebnissen seit Ausbruch des Krieges bis zum Schlüsse der Heuschreckeninvasion war hier schon die Rede.*) Aber auch während der Herrschaft des Flecktyphus, der bald die Befreiung von der Heuschreckenplage ablöste, wird diese schöpferische Geistesarbeit ungestört und in mancher Beziehung noch erfolgreicher fortgesetzt.**) Woher entquillt diese schöpferische Hartnäckigkeit? Unsere Jugend, die sich immer an den Scheideweg zu stellen bereit ist, die stets sieben Wege vor sich sieht, die alle gleich verlockend sind und von denen jeder *) Siehe Heft 1, S. 57/59. **) Z. B. Luach Erez Jisrael, XX/XXI., Almanach für Palästinakunde von M. Luncz- Jerusalem; ein moderner hebräischer Kommentar zu Hiob von A. S. Rabinowitsch und Sch. Awrunin, Jaffa; ein Lehrbuch der Geometrie von Dr. A. Rosenstein, Heft I und II; „Haadam" — ein Lehrbuch der Anatomie und der Hygiene, samt einem anatomischen Atlas von Dr. Metmann-Kahan, Verlag des hebräischen Gymnasiums, Jaffa; Lehrbuch der Botanik von Dr. Metman-Kahan, B. I; „Torat hachaj" — Lehrbuch der Zoologie, B. I von J. Aharoni, Jaffa; ,,Misimrath haarez** — eine Kritik der Aharonischen Zoologie von Gymnasiallehrer Israel Etan, Jerusalem; „R. Chanina bar Chama" —- eine Monographie aus dem ersten Band von Bachers Agada, in hebräischer Übertragung von A. S. Rabinowitsch, Jaffa; 24 Hefte Kindermärchen, Verlag „Sifrija Ktana", und 5 Hefte, Verlag „Maschtela", Jaffa; ein Sammelbuch „Ben-Hasmanim", Verlag „Hagalil", Safed; das 2. Heft des Sammelbuches „Beschaa su", Verlag »Haawoda", Jaffa — alles 1916 erschienen. Heft 7. der ihre werden kann; Weltgäste, die nirgends zu Hause sind und sich überall niederzulassen verstehen; wer hat sie über Nacht in Bürger verwandelt, die dem Baume gleich, sich an einem Flecke eingewurzelt fühlen? Ist es etwa der alte, neu entflammte Durst nach der Erneuerung? Dies ist in der Tat eine merkwürdige Kraft, die Wunder vollbringen kann. Aber wer wird den Ernst des] zionistischen Wollens allen anderen abzusprechen wagen, die nicht nach Palästina gingen, oder die gingen und zurückkehrten? Was aber ist es denn, das die Dagebliebenen auszeichnet, ihnen die eigenartige Standhaftigkeit gibt, sie aneinander knüpft und an den Boden fesselt? Was hindert denn diesen beispiellosen Sturm der Gegenwart, sie wieder in Atome zu zersplittern und sie in alle Winde der Welt zu zerstreuen? Ich suche die Erklärung in den Schriften selbst, die aus diesem Wunderlande kommen, und greife zu den letzten beiden Sammelbüchern, in denen die besten und tätigsten Kräfte vertreten sind und die gleichzeitig mit den hebräischen Aufrufen Tel Awiws zur Ergreifung von Maßregeln gegen die einbrechende Cholera eingetroffen sind. Das erste Buch heißt ,,Ben Hasmanim" („Zwischen den Zeiten") und entstammt dem radikalsten Flügel der jüdischen Arbeiter Palästinas. Es will sachlich sein, robust wie das Leben selbst, aber auch ebenso blutvoll. 22 Briefe aus Stadt und Kolonie, Judäa und Galiläa, sind hier zusammengetragen und eine Menge Ziffern und Tabellen, die treuer als geistreiche Artikel die Wirklichkeit widerspiegeln. Die Hauptfragen der Publizistik bilden die brennenden Tagessorgen der inneren Gemeinschaft — die Aufgaben und Methoden der Arbeitergruppen, die Arbeitsmöglichkeiten in Jerusalem, die Organisierung der Gemeinde, die Schulen im Kriege, das amerikanische Nahrungsmittelschiff. Und geschrieben sind diese Berichte nicht von zünftigen Schriftstellern, sondern zumeist von Arbeitern, die selbst mitten im Getümmel des Lebens stehen, die mit ihrer Hände Arbeit die Fragen in die Welt brachten und mit eigener Mühe sie aus der Welt schaffen wollen. Und selbst über den ernsten Studien und Bemerkungen und den allgemeinen Rückblicken dieses Buches schwebt ein froher Glaube an die allerlösende Kraft und das einzige Glück der Arbeit, ein heiliger, beinahe rätselhafter Glaube, der nur dem „dagebliebenen", ausharrenden und arbeitenden Juden Palästinas eigen ist. Hier spricht aber immer das Problem an sich. Wir wollten doch seine Wurzel ergründen. Das andere Buch, das 2. Heft von „Be- 34

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