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Der Jude · 1916-10-01 · Heft 7 (Oktober 1916) · p. 477

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 7 (Oktober 1916)
Article
Jüdische Volkslieder
Date
1916-10-01
Page
477 (sequence 13)
Language
German
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Jüdische Volkslieder 477 Gegensatz. Alle Zahlen enden im Tod, nur der ist das Ergebnis. „Eins" sei Gott, sagt ihr, — „eins" ist der Todeskampf; „zwei" seien die Tafeln, „zwei"mal klopft man an der Türe des Bethauses, daß die Leute dem Verstorbenen das Geleite geben möchten. „Drei", sonst die Erzväter, — hier das Todesgift, das „Ssam-hamowes", das der Tod dem Sterbenden eingibt. „Vier" sonst „die Mütter" (Sarah, Rebecka, Rahel und Lea), hier die vier Trauerwochen. Die Begründung für sechs und sieben weiß ich leider nicht anzugeben. „Acht" wird wohl damit zusammenhängen, daß der Hohepriester acht verschiedene Kleidungsstücke tragen mußte, — und der Mensch würdig, wie ein Priester, in den Himmel einziehe. „Zehn" Menschen bilden eine Reihe, wenn die Leidtragenden den Kirchhof verlassen, um ihm Trost zuzusprechen. Die Volksliedchen, die die Zahlendeutung behandeln, sind ursprünglich Varianten des Hagaddahliedes „Echod mi jaudea" (Eins", wer weiß es?). Als Haupt- Stück dieser Art gibt Pryluzki folgendes an: He, he, kluge Jungen! Af alle Sachen sent ihr klug, Klug, klug af alle Sachen, Haintike Nacht megt ihr sprachen, Sprachen megt ihr: wos is eins? — Eins is unser Gott, Der, wos lebt, Un der, was schwebt, Af Himmel un af dr'Erd. Übertragung: He, he, kluge Jungen, In allen Sachen seid ihr klug, Klug, klug in allen Sachen, Heutige Nacht mögt ihr sprechen, Sprechen mögt ihr: was ist Eins? — Eins ist unser Gott, Der da lebt, Und der da schwebt Im Himmel und auf der Erde. Es folgen dann elf Strophen mit den nächstfolgenden Zahlen und deren Deutungen, die aber alle in der letzten Strophe, der dreizehnten, enthalten sind. Als Begründung dieser Deutungen setze ich eine alte deutsche Übersetzung der entsprechenden Hagaddah-Strophe hierher: Was ist Dreizehn — wer sagts an? Dreizehn — ich verkünden kann: Dreizehn Eigenschaften hell Schildern Gottes Gnadenquell, Zwölf die Stämme, sprossenreich, Ibre Zahl den Sternen gleich. Hilf die Stern' im Ätherraum, Leuchtend einst in Josephs Traum. Zehn Gebote — Gottes Werk, Offenbart auf Chorebs Berg. Neun der Reife Monden sind, Dringt aus Mutterleib das Kind. Acht bestimmt der Tage Zahl Zur Beschneidung BundesmahL Sieben ist nach alter Weis* Einer Woche Tageskreis. Mischna in sechs Teilen lehrt, Was das Judentum bewährt. Fünf der Bücher — Heilesquell, Moses Lehr' an Israel. Vier Erzmütter, deren Schoß Israel als Volk entsproß. Drei Erzväter so genannt, Weil die Einheit sie gekannt. Zwei die Tafeln sind fürwahr, Helgen Bundes Tafelpaar. Eins ist Gott — beherrscht das All, Himmelsdom und Erdenball. Bemerkenswert ist auch folgende Variante des Liedes, die offenbar auf Buchstaben- Deutung beruht. Hier lautet die fünfte und letzte Strophe folgendermaßen:

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