Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1916-10-01 · Heft 7 (Oktober 1916) · p. 468

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 7 (Oktober 1916)
Article
Jüdische Volkslieder
Date
1916-10-01
Page
468 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
83% known words query
IRI
…/3101111-3101112-8875883-3108006--0660-3108075
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

468 Arno Nadel: — Kinder, Kinder, ich kenn schoin dos nit dertrogen, Aier Weinen un aier Klogen, Wos ihr tut asei af der Welt blaiben, Un der MaPach-ha-Mowes tut leben mir sain Schwert scharfen! Es is mir gewiß schlecht, aich awekzuwarfen, Un ihr sollt sich in der Welt arumtraiben. MaPach-ha-Mowes, MaPach-ha-Mowes, geih awek vun mir, Geih araus vun main Thir! Wos kummstu zugeihn zu mir jeder Minut! Oi, du kummstu zugeihn vun a ganz waiten Eck, Du nehmst main Nschome vun mir awek, Wos zapstu op vun mir main Blut! — Es wet schoin nit helfen dain Beten, Ich wel schoin vun dir nit optreten, Un varn* Teit musstu mit daine Lippen varbaissen; Oi, vun der Welt musstu weren vartrieben Un in Buch vun Teit binstu schoin abgeschrieben, Die Chssime vun Teit kenn men schoin nit zuraissen! Ich tu dir noch amol sogen — Es wet schoin net helfen dain Weinen un Klogen, Worum du bist geglichen zu a Geilem. Oi, greit sich on, Din w* Cheschb'n opzugeben, Wos du host geton af'n ganzen Leben! Oi, du geihst doch schoin af jenem Eilom, Es wet schoin net helfen dain Gewein, Du mußt doch schoin vun der Welt awekgaihn! Es wet schoin net helfen, wos du west vargießen viel Thrären, A du geihst awek vun der Welt mit a greissen Klog, M'soll dir dorten nit rechnen a Johr far a Tog, Du sollst nit darfen cholile zurick baschaffen weren! — Kinder, Kinder, ich kann schon nicht ertragen Euer Weinen und euer Klagen, Daß ihr so elend müßt auf der Welt bleiben. Und der Todesengel tut neben mir sein Schwert schärfen, Es ist mir gewiß schwer, euch fortzuwerfen, Und ihr sollt euch in der Welt umhertreiben. Tod, o Tod, geh fort von mir, Geh hinaus aus meiner Tür! Was kommst du gegangen jede Minut', 0, du kommst gegangen von einem ganz weiten Ort, Du nimmst meine Seele von mir fort, Was zapfst du ab von mir mein Blut! — Es wird schon nicht helfen dein Beten, Ich werde schon von dir nicht wegtreten, Und vorm Tod mußt du mit deinen Lippen verbeißen, 0, vonder Welt mußt du werden vertrieben, Und ins Buch vom Tod bist du schon eingeschrieben, Die Besieglung des Todes kann man schon nicht zerreißen. Ich tu dir noch einmal sagen, Es wird schon nicht helfen dein Weinen und Klagen, Denn du bist einem Golem gleich. 0 bereite dich ein strenges Bekenntnis abzugeben, Was du getan in deinem ganzen Leben, O, du gehst doch schon in das andere Reich. Es wird schon nicht helfen dein Gewein, Du mußt doch schon von der Welt fortgehn, Es werden schon nicht helfen Tränen und Beschwerden, Daß du fort gehst von der Welt mit großer Klage, Man soll dir dort nicht rechnen die Jahre für Tage, Du sollst nicht, weh, weh, wieder müssen aufs neu geschaffen werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.