Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 7 (Oktober 1916)
- Article
- Jüdische Volkslieder
- Date
- 1916-10-01
- Page
- 466 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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466 Arno Nadel: der letzten Zeile bezieht sich im Gebet nicht auf das Vorangehende, sondern auf das nachfolgende Zitat, welches das nächste Gebet darstellt. — Das Lied wird ebenfalls am Feste der Gesetzesfreude gesungen. Lob der Armut Mimizrajim g'altonu, wer? Adeinoi Eleiheinu! Umibeis Awodim pdissonu, wer? Adeinoi Eleiheinu! B'roow santonu usw. Uw'ssowo kilkaltonu usw. Meicherew hizaltonu usw. Umidewer milat'tonu usw. G'altonu, p'dissonu, Santonu, kilkaltonu, Hizaltonu, milat'tonu Umeicholojim roim —• Af alle R'schoim. Wos mehr Kabz'n — Mehr Guljaike; Wos mehr Nogid — Mehr Ssobake! Übertragung: „Aus Ägypten hast du uns erlöst", —■ wer? Der Ewige unser Gott. „Und aus dem Hause der Knechtschaft hast du uns befreit, — wer? Der Ewige unser Gott, „In Hungersnot hast du uns gespeist", — wer? Der Ewige unser Gott. „Und zur Zeit der Sättigung uns ernährt", — Der Ewige unser Gott. [wer? „Vom Schwerte hast du uns gerettet", — wer? Der Ewige unser Gott. „Und von der Pest uns entrinnen lassen",—wer? Der Ewige unser Gott. Du hast uns erlöst und befreit, Und gespeist und ernährt, Uns errettet und uns entrinnen lassen, „Und vor bösen Krankheiten ..." —■ Auf alle Bösen. Je ärmer, Umso lustiger, Je reicher, Umso hündischer. Ginsburgund Marek Nr. 375.—Auch dieses ist ein Lied, das ein Gebetstück variiert. Hier ist es ein Teil des Nischmas-Gebetes, das am Sabbath und Festtagen gesprochen wird. In Prosa umgesetzt, und zugleich erläutert lautet es etwa so: Aus allem Bösen hast du uns gerettet, aus Hungersnot, Schwert und Pest. Wir könnten die Reihe deiner Gnadentaten fortsetzen, — im Originalgebet heißt es nämlich weiter: „und bösen und hartnäckigen Krankheiten hast du uns entzogen" —■ doch möge es genug sein, und die bösen Krankheiten mögen auf die Bösen kommen. Nicht Reichtum ist es, womit du segnest, den du beglücken möchtest. Wie im Geheimnis hältst du uns vielmehr von allem fern, was oft genug gerade den Reichen anhaftet, wie allerhand Gefahr und Übel, die auf die öffentlich gekennzeichneten und gezeichneten sich mit besonderer Stärke richten, so daß wir froher sind als sie, die man gewöhnlich für die Glücklichen hält. Errette du uns auf deine Art und laß uns unsere Armut, und verschone uns mit Reichtum und mit elendem Charakter. „Bis hierher hat deine Barmherzigkeit uns beigestanden und haben uns nicht verlassen deine Gnadenbezeigungen, und so mögest du uns nicht verstoßen, Ewiger unser Gott, in Ewigkeit", so lautet die unmittelbare Fortsetzung des Gebetes im Original — und im Herzen des Dichters, der dieses Lied gedichtet.