Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Ergebnisse der zweiten Konferenz der palästinensischen Arbeiterschaft in Tel Awiw
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 244 (sequence 2)
- Language
- German
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244 Umschau: Arbeiterbewegung in Palästina nicht immer mit dem Block gemeinsam ging, bildeten: Gdud haawodah und Haschomer Hazair (10 Mandate). Während die Resultate der Konferenz in den wesentlichen Zügen durch den Ausfall der Wahlen festgelegt waren, entsprach der Verlauf selbst nicht dem Stimmenverhältnis. Die Generaldebatte, die sich volle 3 Tage hinzog, gab, viel ausführlicher als notwendig, Gelegenheit zu einer gründlichen Auseinandersetzung zwischen den Trägern der Histadruth und dem Häuflein der sogenannten Linken, was durchaus nicht der zahlenmäßigen Bedeutung und der Wichtigkeit dieser Gruppen entsprach. Die Taktik, die diese Gruppen verfolgen, ist größeren Vorbildern gut abgelauscht. Auch Radek spricht im Haag, nach allen Schmähungen gegen die Gewerkschaftsbürokratie, sanft und versöhnlich für Einheit Unsere Linke, die in jedem Monat andereVertreter in Erez Israel hat, schickt Abgeordnete in die Konferenz, die längstens 2 Monate im Lande sind, die selbstverständlich für all die Verleumdungen der Histadruth (angefangen von dem berühmten Telegramm nach den Jaffaer Maipogromen: schuld an den Pogromen sei ausschließlich die nationalistische jüdische Arbeiterschaft, bis zu den jedesmal wiederholten Versuchen, jeden Zustand der' Arbeitslosigkeit mit allen Mitteln ausschließlich gegen die Histadruth zu benutzen) nicht verantwortlich sind; auf der Konferenz selbst sind sie sachlich und unpersönlich, jedenfalls solange, wie die Generaldebatte die Möglichkeit einer, negativen Kritik bietet; sowie es darauf ankommt, in die positive Beratung einzutreten, findet sich schon immer ein Vorwand, sich für vergewaltigt zu erklären und von der Bildfläche zu verschwinden (ebenso war es bei den Beratungen des Misrad vor einem Jahr in Haifa). Diesmal wurde so manövriert, daß man als Kandidaten 2 Leute aufstellte, die bereits vor einem Jahre aus der Histadruth wegen unaufhörlicher Schmähungen herausgesetzt waren und niemals dagegen Berufung eingelegt hatten; die Mandate wurden natürlich nicht bestätigt; es wurde Gelegenheit gegeben, an ihrer Stelle andereVertreter zu entsenden; die Erklärung, daß dies eine Vergewaltigung sei, gab man aber nicht während der Mandatsdebatte, die in der Generaldebatte stattfand, ab, sondern erklärte sich erst nach Abschluß dieser Debatte für „vergewaltigt" und nicht mehr „verantwortlich für die Arbeiten der Konferenz". Ich habe absichtlich diese Tatsachen hier ausführlicher festgestellt, weil sie sicherlich die Grundlage für eine ausgiebige Propaganda in der gesamten bundistischen und kommunistischen jüdischen Presse abgeben werden. Sachlich war die Debatte über die Tätigkeit des Waad hapoel der Histadruth eine theoretische Auseinandersetzung über sozialistische und kommunistische Aufgaben und erstreckte sich in viel zu geringem Maße auf die Tätigkeit der Histadruth selbst. Die Angriffe der Linken richteten sich gegen das innere Wesen der Histadruth. Die Gewerkschaft ■ der Arbeiterschaft habe sich ausschließlich auf die Verteidigung der Interessen der Arbeiterschaft zu beschränken; die Organisation habe sich auf Fachgruppen zu stützen, denen, wie überall, die Aufgabe zufalle, die Löhne zu erhöhen, die Arbeitszeit zu erniedrigen, die Einheit des gesamten, (hier: jüdischen und arabischen) Proletariats herzustellen. Positive Aufgaben des Aufbaus fielen der Histadruth nicht zu; diese seien der Kapitalistenklasse zu überlassen. Zusammengefaßt lauten die Angriffe: Die Histadruth habe an Stelle der internationalen Interessen der Arbeiterklasse die nationalen gestellt, an Stelle des Klassenkampfes die Klassenkonkurrenz (dadurch, daß dieHistadruth selbst als Unternehmer auftritt). Den Brennpunkt dieser Angriffe bildete also die Selbstarbeit der Arbeiterschaft in eigenen Betrieben, in Dagania, Nuris, im Misrad l'Awodoth Ziburioth und in den gewerblichen Kwuzoth. Es hätte sich eigentlich nicht gelohnt, auf die Widerlegung dieser Angriffe 3 Tage zu verwenden. Man wird ständig ohne den geringsten Erfolg dort aneinander vorbeireden, wo keinerlei Einheitsbasis der Diskussion mehr vorhanden ist. Die innere Unlogik dieser Gruppen liegt auf der Hand: man kann nicht, wenn man, aus welchen Gründen auch immer und sei es nur, weil man auch Palästina als eine Art Obdachlosenheim und Nachtasyl betrachtet, nach Palästina kommen will und kommt, sich darauf beschränken, sich auf einen Stuhl zu setzen und abzuwarten, wie andere bauen, mit der einzigen Aufgabe, sie dabei möglichst kräftig zu stören. Man wird sich bei dieser Taktik sehr schnell selbst aus Palästina herausmanövrieren. Keinerlei Spur auch der primitivsten Form natürlichen Denkens ist bei diesen Theoretikern zu finden, denen alles auf eine anderen Verhältnissen abgelauschte und