Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Ergebnisse der zweiten Konferenz der palästinensischen Arbeiterschaft in Tel Awiw
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 243 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3101111-3101189-3101194-3107917--6008-3107982- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
UMSCHAU ARBEITERBEWEGUNG IN PALÄSTINA Die Ergebnisse der zweiten Konferenz der palästinensischen Arbeiterschaft in Tel Awiw (Februar 1923) In die Tage einer starken Ungewißheit, deutlichen Erlahmens zionistischer Energien, fiel, lang erwartet, die zweite Konferenz der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas. Die Erwartung war um so berechtigter, als diese Konferenz das Fazit der zweijährigen Arbeit der zum erstenmal geeinten Arbeiterschaft zu ziehen hatte, zweier Jahre, die eine ungeheure Veränderung im palästinensischen Arbeiterleben mit sich gebracht haben. Es mußte sich erweisen, was die immer stärker in den Vordergrund tretende Histadruth klalith dem Einzelarbeiter bedeutet, inwieweit Verständnis für die Eigenart der palästinensischen Arbeiterbewegung unter den Arbeitern selbst herrscht. Wir sehen, daß die Gewerkschaften auch in Europa in steigendem Maße in den Brennpunkt der Kämpfe zwischen Sozialisten und Kommunisten, Syndikalisten und Bolschewisten gerückt sind; es ist - daher nicht wunderbar, daß Ausläufer dieses Kampfes sich in Palästina, wo die jüdische Gewerkschaftsbewegung in eminentem Maße zur Aufbaubewegung wird, bemerkbar machen. Die Konferenz war allein durch die Tatsache der Wahlen ein Prüfstein des Weges der Arbeiterschaft, wie ihn vielleicht keine weitere Konferenz abgeben wird. Es war die erste Konferenz nach Abschluß der großen dritten Alijahbewegung, die erste Konferenz nach der Einigung der Arbeiterschaft, vor allem aber die erste Konferenz nach dem Umlagern des Schwergewichts der jüdischen Arbeiterbewegung von der Landwirtschaft n*ch der Stadt, von Dagania nach Tel Awiw. Die Einigungskonferenz vor Jahren in Haifa Jar die unerläßliche Vorbereitung, die in ihrer Wichtigkeit für den Jischuw gar nicht zu überschätzende Resultate für die Einigung der Arbeiterschaft brachte: sie war aber im Ausbau der Arbeit doch nur Anfang, freilich richtungweisender. Die Tel Awiwer Konferenz war bestätigender Urteilsspruch des Weges, war, mehr das, produktiv im Aufweisen neuer Ziele. In vieler Hinsicht hat die Konferenz das gehalten, was von ihr erwartet wurde. 12 Tage saßen, in steter Arbeit bis spät in die Nacht, in allen Plenarsitzungen umgeben von einer außerordentlich zahlreichen Zuhörerschaft, die 130 Abgeordneten, Über die technische Seite der Konferenz zu sprechen erübrigt sich; sie war die wenigst gelungene; infolge mancher Umstände und teilweise technischer Unzulänglichkeit saß man 12 Tage, wo 6 genügt hätten, um das Programm zu erledigen. Die Wahlbeteiligung entsprach nicht ganz den Erwartungen, die die Lebhaftigkeit des Wahlkampfes erregt hatte. Nach den Ergebnissen der Arbeiterzählung sind ungefähr 60% der palästinensischen Arbeiterschaft in der Histadruth organisiert; wobei in Betracht zu ziehen ist, daß die Statistik teilweise auch Kleinhandwerker, soweit sie ohne Gehilfen arbeiten, mitzählt, die nur bei großer Toleranz zur Arbeiterschaft gezählt werden können! Von den Nichtorganisierten sind ein großer Teil sephardische Arbeiter, die zu organisieren aus den verschiedensten Gründen außerordentlich schwer ist, so wichtig es allerdings auch wäre. Es läßt sich danach mit Sicherheit sagen, daß 80% der aschkenasischen Arbeiter Chawerim der Histadruth sind. Die Wahlbeteiligung von 80%, an sich durchaus nicht schlecht, wirkte doch wie eine Enttäuschung; sie war bezeichnenderweise besonders gering in Jaffa, wo der Wahlkampf am lebhaftesten und die Arbeitslosigkeit am größten war. Der Ausfall der Wahl gab der Konferenz von vorneherein das entscheidende Gesicht. Die Linke zerfiel in nur 3 „Parteien", da die „Palästinensisch-Kommunistische Partei" (P.K.P.) sich nicht an den Wahlen beteiligte. Die „Jüdisch-Kommunistische Partei" (J. K. P.) erhielt 5 Mandate; Poale Zion (links): 3 Mandate. Daneben gab es noch einige Mandate von Gruppen, die mit Einzelheiten der Arbeit der Histadruth nicht zufrieden waren, im wesentlichen aber auf der Konferenz keine Rolle spielten. Mehr als die Hälfte aller Mandate (69) erhielt der sozialistische Block (Achduthhäawodah und verbündete Gruppen), meist aus den Städten und teilweise aus den landwirtschaftlichen Kwuzoth; 36: Hapoel Hazair (aus landwirtschaftlichen Kwuzoth, von Lehrern, Beamten und teilweise auch aus den Städten); eine besondere Gruppe, die 16*