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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 4 · p. 228

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 4
Article
Jüdische Musik
Date
1921-01-01
Page
228 (sequence 2)
Language
German
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228 Arno Nadel: Historisches zu erörtern, Beispiele zu bringen, ist hier nicht der Ort. Dennoch, zur kürzesten Veranschaulichung, nur dieTatsache, daß diePentateuch- Weise bei den Babyloniern, Syriern, Marokkanern, Italienern, Sephardim und in den Grundmotiven auch bei denAschkenasim dieselbe ist. „Daß die Weisen aber tatsächlich hohen Alters und Volksgesang sind, geht hervor aus dem Umstände, daß sämtliche alten jüdischen Zentren dieselben haben, trotz jahrtausendlanger Abgeschiedenheit von einander, demnach müßten sie bereits vor der Zerstörung des zweiten Tempels Volksgesang gewesen sein." 2) Warum sollten sich uralte Weisen nicht auch erhalten haben? 'Daß sie während der langen Zeit sich verändert haben, ist selbstverständlich. Aber sie wachsen mit neuem Blute und singen zu uns heute wie vor Jahrtausenden, sodaß wir von der synagogalen Musik als einem ganzen lebendigen und mannigfaltigen Komplex, als von einer wahren jüdischen Musik reden dürfen. Will man sich also ernst mit dem Begriff „jüdische Musik" beschäftigen, so gibt es nur eines: man untersuche die echte synagogale Musik, nämlich den besten Nussach, auf seine wesenhaften Merkmale. Ich selber befasse mich mit dieser Materie lange Jahre und habe zum ersten Mal im Band ,, Judarna" der Nationernas-Bibliothek2) die wichtigsten Charaktere jüdischer Musik aufzustellen versucht. III. Die meisten Musikgelehrten lehnen einen echt jüdischen Charakter der Synagogenmusik überhaupt ab, weil diese bei den sephardischen Juden von den Mauren und Spaniern stamme, bei den orientalischen Juden von den Arabern und anderen morgenländischen Völkern, bei den polnischen von den Slaven. Bei diesen Meinungen wirkt die Ansicht, daß die heutige Synagogenmusik. die echte alte Tempelmusik darstelle, höchst verwirrend. Nur deshalb, weil dies von manchem Forscher behauptet wird, setzt sich die Vernunft zur Wehr und übertreibt nach der entgegengesetzten Richtung. Die wichtige und verlockende Aufgabe läßt sich nur auf folgende Art lösen: man sammle den ganzen Schatz an vorhandener guter und schlechter Synagogenmusik, ordne das Ganze nach natürlichen Prinzipien und nehme diesen Bestand als Material für die Untersuchung hin. Eine solche Zusammenfassung des sehr reichhaltigen und höchst wertvollen Materials ist durch den nicht genug zu rühmenden, jüngst verstorbenen Gelehrten und Sammler Eduard Birnbaum aus Königsberg geschehen. Die Birnbaumsche Sammlung — jetzt nach Chicago verkauft — ist wohl die einzige in ihrer Art, und nur infolge ihres Bestehens und alles übrigen, was ihr Eigentümer hier und anderwärts zu allem, was seine Materie betrifft, geschrieben hat, wie durch Zuhilfenahme der unübertrefflichen, jetzt noch im Gange befindlichen Idelsohnschen Sammlungen wird sich jene Aufgabe lösen lassen. Weder die vierzig Abhandlungen des „Thesaurus antiquitatum sacrarum de Ugolirie", noch die hunderte von Schriften altchristlicher Forscher, weder das, was im „Schilte hagiborim", noch alles, was in der Bibel und x) Idelsohn, „Gesänge der Babylonischen Juden'4, Seite 7. f. 2) Redaktion M.Ehrenpreis och A.Jensen; Stockholm, P.A. Norstedt & Söners Fölag, 1920.

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