Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Mohammed und die Aggada
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 205 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Mohammed und die Aggada 205 Someri und der des Verführers bei dem moabitischen Gelage Simri zusammengeflossen zu sein1). Überall zeigt sich kritiklose Übernahme des fremden Stoffes. Die Fälle, wo er mit Absicht die jüdische Überlieferung umbiegt, sind ziemlich selten; am bekanntesten ist seine Ablehnung der jüdischen Auffassung des Sabbats als eines Ruhetages Gottes, worin er wahrscheinlich christlichen Anschauungen folgt,2) sowie die seltsame Verknüpfung, in die er Abraham und Ismael mit der Ka'ba in Mekka gebracht hat, als er in Medina sich in seinen Hoffnungen, die Juden zu gewinnen, getäuscht sah. Sehr interessant ist die Abhängigkeit der koranischen Dogmatik von jüdischen Vorstellungen. Innerhalb der biblischen Erzählungen sind es vier Vorstellungen, die besondere Aufmerksamkeit erheischen: die Einheit Allahs, der göttliche Thron, die Hypostasen Allahs und die Offenbarung. Die Einheit Allahs spielt schon in mekkanischer Zeit innerhalb des Dekalogs eine große Rolle, wird aber in medinischer Zeit ganz besonders betont, als es sich darum handelt, gegen die Trinitätslehre des Christentums zu polemisieren. - Die Vorstellung vom göttlichen Thron und seiner Umgebung begegnet uns bei der koranischen Weltschöpfung. Auf ihn hat sich Allah beim Abschluß der Schöpfung, die ihn nicht ermattet hat, niedergelassen. Lobpreisende Engel umgeben ihn. Von ihm aus leitet Allah alles durch den Logos (ämr me'mra).3) Er steigt auf und nieder an einem Tage, der tausend Jahre umfaßt. Mit Hilfe des Logos, mit dem er die Urmasse teilte, hat Allah 7 Himmel und Erden geschaffen. Aus dem me'mra entspringt der „ruh", der heilige jGeist, der sich auf die Gottesmänner niederließ. Die „sakma" schließlich, die schon auf der von Israel durch die Wüste geführten heiligen Lade ruhte, scheint die Aufgabe zu haben, durch die „göttliche Herrlichkeit" den menschlichen Geist zu erheben. — Von der Berufung Mosis im heiligen Tale Tuwä ist schon in der frühesten mekkanischen Zeit die Rede. In der 2. und 3. Periode spricht Mohammed von dem brennenden Dornbusch, dem Auftrage an Pharao und den Wunderzeichen. Vom Dekalog, der bei Mohammed eine ihm eigentümliche Fassung aufweist, spricht er in der zweiten' mekkanischen Periode, um ihn in späterer Zeit flüchtiger abzutun; dafür hat er in medinischer Zeit mehr über die Einzelheiten bei der sinaitischen Gesetzgebung erfahren.4) Aus medinischer Zeit stammt auch Abrahams Berufung, der zum Imäm über die Menschen eingesetzt wird. *) In der christlichen Literatur: «zämri», LXX hat mit Josephus «zambri» 2) Nicht, wie Goldziher („Die Sabbatinstitution im Islam", Festschr. für D. Kaufmann) meint, auf persischen Einfluß zurückzuführen. Augustin schon („Vorträge über das Johannesevangelium", „Bibliothek der Kirchenväter", Bd. VIII. p. 340 f., behauptet, die Juden ließen Gott sich von seinem Schöpfungswerk ausruhen, da er ermattet gewesen sei, und lehnt den Sabbat ab. 3) Horovitz: „Mohammeds Himmelfahrt". Islam, Bd. IX. pag. 178. Grimme: »Mohammed". Münster 1895. 2. Bd. pag. 51. 4) Auf den Sinai wird, wie aus der Verbindung von Sure XXIII. 20 und XCV. 1 hervorgeht auch der Paradiesesbaum versetzt, an dem Feigen und Oliven hingen. Vergl. slav. Henochbuch: ed. Bonwetsch. pag. 12.