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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 4 · p. 204

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 4
Article
Mohammed und die Aggada
Date
1921-01-01
Page
204 (sequence 3)
Language
German
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204 Heinrich Speyer: Vermischung in der Aggada des Korans bietet die Erzählung von Kain und Abel (Sure V. 30—35), die ihrer Kürze wegen hier wiedergegeben sei: „Die Söhne Adams brachten beide Allah ein Opfer dar. Von dem einen ward es angenommen, aber nicht von dem anderen. Da sprach der, dessen Opfer Allah verschmäht hatte, zu seinem Bruder: ,Wahrlich, ich töte dich!* Der andere sprach: ,Siehe, Allah nimmt nur Opfer von Gottesfürchtigen an. Streckst du deine Hand nach mir aus, um mich zu töten, so tue ich nicht desgleichen. Ich fürchte Allah, den Herrn der Welten. Mögest du meine und deine Schuld auf dich nehmen und dem Höllenfeuer verfallen. Denn das ist der Lohn der Sünder.' Da trieb den anderen der Zorn an, seinen -Bruder zu erschlagen. Und er tötete ihn. Allah aber sandte einen Raben, der den Boden aufscharrte, um dem Mörder zu zeigen, wie er die Missetat an seinem Bruder verbergen könne. Da sprach der Sünder: ,Wehe mir, ich bin zu schwach geworden, um wie dieser Rabe zu tun und meine Missetat zu verbergen. Und er bereute, was er getan hatte. Den Kindern Israel aber ward die Lehre gegeben, daß, wer eine Person im geheimen tötet, ohne daß Gewalttaten im Lande vorfallen, so zu betrachten ist, als habe er die ganze Menschheit vernichtet, daß aber, wer eine Person am Leben erhält, so zu betrachten ist, als habe er die ganze Menschheit erhalten." Hier werden in den Rahmen der biblischen Erzählung die aggadischen Sagen von der Unterredung und dem Streit der beiden Brüder, von dem Raben, der Kain die Bestattung lehrt, und von Kains Reue eingeflochten; ja es ist sogar, noch von der Lehre die Rede, die die Mischnah1) an Kains Mord knüpft, Manche koranische Erzählungen, wie z. B. die von Salomo, setzen sich vorwiegend aus midraschischen Elementen zusammen. Zu diesen, aus biblischen und aggadischen Bestandteilen zusammengesetzten Erzählungen treten noch christliche Legenden hinzu, da Mohammed zwischen dem Inhalt der Thora und dem des Evangeliums Übereinstimmung voraussetzte und sich daher auch nach den heiligen Büchern der Christen erkundigte. Doch heben diese sich durch Tendenz und Tenoi deutlich ab. So wird der Satan in der Adamserzählung an Stelle der Schlange als der Verführer des Menschen betrachtet, der die Sünde in die Welt gebracht hat. Dafür, daß Mohammed schwere Mißverständnisse unterlaufen sind, sei auf das Beispiel der Mirjam hingewiesen, die er mit Maria, der Mutter Christi verwechselt, so daß er unter der Familie Imrans die Familie Jesu versteht. Nicht minder hat er spezifisch Jüdisches mißverstanden. Haman ist ihm der Minister Pharaos, der den Turm zu Babel erbaut. Aus Eliezer oder, wie Mohammed hörte, Elazar, wird bei ihm Abrahams Vater Azar. Das El hielt er für den arabischen Artikel.2) Die Gestalt des Verführers bei der Sünde des goldenen Kalbes, as-Samiri, der dann zur Strafe sprechen muß: „keine Berührung!", scheint aus der des abtrünnigen Samaritaners *) S a n h e d r i n , IV, 5. 2) Frankel: Z. D. M. G. Bd. 56, S. 72. Der Name Hüd des Gottesmannes der Aditen ist vielleicht ein Mißverständnis des biblischen Richters Ehud. Vergl. Namen wie Amihüd, Abihud, Ahihud, Elihud, 'Ishöd etc.

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