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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 4 · p. 203

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 4
Article
Mohammed und die Aggada
Date
1921-01-01
Page
203 (sequence 2)
Language
German
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Mohammed und die Aggada 203 dienstes stand.1) Seinem Volke aber, den Arabern, war bis zur Stunde kein Gesandter und kein göttliches Buch beschieden. Im Himmel wird die Urschrift bewahrt, aus der die Offenbarung von taurät und ingil, Thora und Evangelium stammen.2) Konnte nicht auch seinem Volke die Kerjana in verständlicher arabischer Sprache vermittelt werden?3) Hier vollzieht sich der Umschwung in der Seele Mohammeds. Er wird der Gesandte Allahs an sein Volk und übermittelt ihm den Koran. So war- Mohammed vor allen Dingen darauf angewiesen, zu erfahren, was denn eigentlich Thora und Evangelium enthielten. Der Koran mußte mit beiden übereinstimmen. Mohammed suchte gar vieles von Juden und Christen zu lernen. Nicht wenig hat er mißverstanden, manches abgelehnt, und vieles dazu benutzt, sich auf seinem, zuerst nicht leichten, Weg als Gesandten Allahs zu stärken. Wies man ihn darauf hin, daß seine Darlegungen nicht stimmten, dann hatten seiner Meinung nach Juden und Christen ihre heiligen Bücher verfälscht und ihren Sinn entstellt. Mohammed tritt also bewußt in die Reihe der Gottesmänner ein. Von Noah bis auf ihn haben sie ihren Zeitgenossen die Warnung über bracht und wurden verspottet. Noah war besonders dem Spotte ausgesetzt gewesen. Es nutzte ihm nichts, zu betonen, daß er, ohne Lohn zu begehren, die Wahrheit sage, man hielt ihn für besessen und für einen gewöhnlichen Menschen. Abraham stritt mit seinen Zeitgenossen und mit Nimrod über Allah, aber man warf ihn in den Feuerofen. Lot konnte sein Volk nicht von den Ruchlosigkeiten abhalten, "und Moses mahnte die Ägypter vergebens. Aber das Strafgericht brach schließlich über die Sünder und Leugner herein, und nur die Allah fürchteten wurden gerettet. Wie sie alle aber mußte auch Mohammed von seinen Zeitgenossen mißverstanden werden, aber schließlich würde doch die Wahrheit erkannt werden. Da Mohammed nicht aus eigener Kenntnis sich auf die Berichte der Bibel berufen konnte, sondern auf eine mündliche, oft mißverstandene Belehrung angewiesen war, erscheinen bei ihm späte aggadische Ausschmückungen als Inhalt der Bibel. Alles war ihm „taurät". Die Meinungen gehen darüber auseinander, ob die Juden zur Zeit der Entstehung des Islam als im jüdischen Sinne gelehrt anzusprechen sind. Rabbinen und Gelehrte haben sie, nach der Angabe des Koran, besessen. Die Erzählungen, die sie Mohammed übermittelt haben, lassen jedenfalls darauf schließen, daß sie selbst keinen Werturiterschied zwischen Bibel und Aggada kannten, und daß sie wahrscheinlich große Teile ihres Wissens aus ihrem Gottesdienst schöpften. Allsabbatlich pflegte derMethurgemän, der Interpret des biblischen Textes, diesen, wie damals fast überall geschah, in die Landessprache zu übersetzen. Er flocht aber zweifellos aggadische Erzählungen in seine Übersetzung ein. So konnten m der Vorstellung der arabischen Juden biblische und midraschische Stoffe Miteinander verschmelzen. Ein schönes Beispiel für die Auswirkung dieser Horovitz: „Qur'an" in „Islam". Bd. XIII. pag. 66 ff. ) N ö 1 d e k e : „Orientalische Skizzen". Berlin 1892. pag. 24 f. ) Horovitz; Qur'an, dass.

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