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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 4 · p. 199

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 4
Article
Palästina im Rahmen des Nahen Orients
Date
1921-01-01
Page
199 (sequence 7)
Language
German
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Palästina im Rahmen des Nahen Orients m der Föderierung der einzelnen schon herauskristallisierten oder sich herauskristallisierenden Gebilde wird die Lösung des arabischen Problems gefunden werden. Wenn eine Zentralisierung unmöglich erscheint, ist eine Verbindung der einzelnen Teile ein dringendes Bedürfnis, das durch die Notwendigkeit der Abwehr gegen imperialistische Gelüste anderer Mächte diktiert wird. Allein die Kooperation einzelner Teile, enge Zusammenschließung zur Verteidigung gemeinsamer wirtschaftlicher und politischer Interessen, wirtschaftlicher, kultureller und politischer Unabhängigkeit, kann die Befriedigung dieses natürlichen Bestrebens nach Selbstbestimmung ermöglichen und sichern. Unumgängliche Vorbedingung dazu ist eine volle Autonomie eines jeden einzelnen Gliedes dieser Völkergemeinschaft, und sie ist um so sicherer gewährleistet, je größer der „Bund", je mannigfaltiger seine Bestandteile sind. In diesem Lichte gesehen scheint es, daß die beste Lösung eben doch in der Bildung eines großen Gemeinwesens — der neuen Türkei mit Kurdistan und Armenien, Syrien, Transjordanien und Palästina, vielleicht auch unter Einschluß Mesopotamiens und Arabiens — liegt. In irgendeiner festeren Form müßten diese „Vereinigten Staaten des Nahen Orients" zu der „Balkanföderation" und zu Ägypten dauernde und organisierte Beziehungen eingehen. Die jüdisch-nationale Heimstätte wird stets einen integrierenden Bestandteil in diesem Staatengebilde darstellen, und unsere Politik, unsere Staatskunst muß darauf gerichtet werden, daß unser jüdisches Gemeinwesen sich zu dem wertvollsten und bedeutsamsten Teil dieses Staatenorganismus entwickelt. Auf diesem Wege, mit diesen Tendenzen können wir hoffen, zu einer dauernden Verständigung mit unseren arabischen Mitbürgern zu kommen. Diese Tatsache der „Symbiose" mit den Arabern müssen wir als eine gegebene und unabänderliche Tatsache hinnehmen. Wir haben kein leeres Land vor uns, das wir besetzen könnten, wir haben es auch nicht mit einer Bevölkerung von „schwarzen" Eingeborenen zu tun, über welcher wir uns als Herrenvolk, als „nation predominante" nach unserem Belieben einrichten könnten. Diese mit verbrecherischem Leichtsinn verkündete Einstellung zeugt von einer Psychologie oder von einer Psychose, 'die wir mit Offenheit und Entschiedenheit aus unseren Reihen für immef verbannen müssen. Wir müssen ebenso alle Rezepte zur Bereinigung Palästinas von Arabern verwerfen, alle Pläne, die Araber Palästinas als Israeliten oder Judäer erscheinen zu lassen, entschieden zurückweisen. Wir werden nie dazu kommen können, auch wenn wir es wollten, aus Palästina einen rein jüdischen Nationalstaat zu machen. Durch die unabänderliche, jahrhundertelange Entwicklung ist Palästina das geworden, w^s es heute ist: ein Land mit, der Dichte nach, nicht unbedeutender Bevölkerung, die auf einem gewissen Kulturniveau steht, große historische Traditionen besitzt und sich als Teil der großen Familie der verwandten

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