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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 4 · p. 198

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 4
Article
Palästina im Rahmen des Nahen Orients
Date
1921-01-01
Page
198 (sequence 6)
Language
German
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X98 Victor Jacobson: die arabisch sprechende Bevölkerung Syriens mit ihrem starken hethitischen Einschlag von den durch koptische Beimischung gekennzeichneten Ägyptern oder von den berberisierten Marokkanern oder semitisch „reinen" Beduinen Arabiens sich unterscheidet, unterscheidet sich das unter gänzlich verschiedenen geographischen, wirtschaftlichen und politischen Einflüssen entstandene Kulturniveau, die wirtschaftliche Struktur und auch die politischen Aspirationen der einzelnen arabischen Stämme. Damit muß eine jede panarabische Bewegung rechnen, daran wird eine jede zentralistischimperialistische arabische Politik scheitern. Nur nebeneinander, in einer losen Verbindung eines auf föderalistischen Prinzipien aufgebauten politischen Gebildes können die arabischen Stämme zu einer politischen Einheit sich entwickeln. Weder Mekka noch Bagdad noch Damaskus noch Beirut noch Kairo allein können die führende und gestaltende Rolle übernehmen. Man darf nicht diese Wahrheit dadurch zu vertuschen suchen, daß die augenblickliche „Parzellierung" der arabischen Nation auf viel kleinere Staaten nur durch den Druck von außen, durch die macchiavellistische divide et impera-Politik der europäischen Großmächte entstanden sei. Auch in der Vergangenheit, zur Zeit der freien Entwicklung der arabischen Nation, war es und konnte es nicht anders sein. Schon über die ältesten Zeiten in der Geschichte Arabiens berichtet uns der Historiker: „Der Zusammenschluß einer Anzahl von Stämmen um einen besonders mächtig gewordenen führte zu den ältesten Staatenbildungen, ohne daß dabei das Bewußtsein der Stammeszugehörigkeit auf gehoben worden wäre." Auch im Rahmen der alten Türkei haben sich verschiedene voneinander unabhängige und einander befehdende kleinere politische Organismen hier ausgebildet. Ein Imam Jachia und ein Seid-Idris in Arabien führten ein jeder seine Klans auf abgesonderten Bahnen. Auch jetzt, bei der Umbildung der arabischen Welt Asiens, bleiben Hedjas und Jemen und Nedschd als abgesonderte Teile Arabiens bestehen. Bemerkenswert ist, daß bei der politischen Organisierung Syriens dem Partikularismus einzelner Teile dieses an sich einheitlicheren Gebietes in höchstem Maße Rechnung getragen wurde. Das unter französisches Mandat gestellte Syrien zerfällt laut der syrischen »Verfassung* in einen selbständigen, für sich bestehenden Libanon mit einem besonderen Parlament und einer besonderen Verwaltung; der übrige Teil stellt eine Föderation aus drei autonomen, ihre lokalen Angelegenheiten verwaltenden Teilen — Aleppo, Damaskus und Alawiyin —■ dar, die in einer gemeinsamen Vertretungskörperschaft ihre gemeinsamen allgemeinen Angelegenheiten regeln. Natürlich sind die neuen Formen der politischen Organisierung des arabischen Nahen Orients noch im Fluß; vieles ist noch nicht geregelt, und viel Zeit wird verstreichen, bis die Beziehungen zwischen einzelnen Länderstrichen Arabiens, Mesopotamiens, Syriens, Transjordaniens und Palästinas stabilisiert sein werden. Eines scheint schon heute sicher zu sein: eine Verschmelzung einzelner Gebiets- und Bevölkerungsteile, die Bildung eines zentralisierten Staates ist unmöglich. Nur auf dem Wege

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