Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Palästina im Rahmen des Nahen Orients
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 197 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 1× ep/1048155
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Palästina im Rahmen des Nahen Orients 197 Schon in der alten Türkei waren die arabischen Provinzen von den übrigen Teilen des osmanischen Reiches eigentlich ganz abgesondert und nur durch die Gewalt der türkischen Beamtenschaft und des türkischen Militärs im Gesamtrahmen des türkischen Reiches gehalten. Eine kompakte' arabische Bevölkerung mit arabischer Sprache und eigenen Sitten, eigener Kultur und eigenen historischen Reminiszenzen lebte ihr eigenes Leben und träumte ihre eigenen Zukunftsträume. Neben den panislamischen Forderungen, die die alte Türkei in ihrem imperialistischen Interesse auch bei den Arabern pflegte und förderte, entwickelten sich mächtige panarabische Strömungen. Nach der jungtürkischen Umwälzung ließen sie sich seit den ersten Tagen des neuen Regimes erkennen, und die Kefie — die arabisch-nationale Kopfbedeckung — der arabischen Deputierten in der türkischen Kammer, etwa 80 an Zahl, war ein Symbol und eine ständige Drohung. Von Nordsyrien nach Mesopotamien und Arabien, nach Palästina, Ägypten, Tunis, Algerien, Tripolis und Marokko dehnt sich bis zum Indischen Ozean und entlang dem ganzen südlichen Ufer des Mittelmeeres bis zum Atlantischen Ozean diese nach vielen Millionen zählende kompakte arabische Welt. Alle Versuche des jungtürkischen Imperialismus, diese ihm ethnisch, sprachlich und kulturell verschiedene und fremde Welt an sich zu fesseln und seinen Zielen dienstbar zu machen, sind gescheitert. Den eklatantesten Beweis dieses Mißerfolges lieferte das Scheitern aller Versuche, die arabischen Stämme in einem „heiligen Krieg** an der Seite der Türkei gegen die Alliierten zu mobilisieren. Der türkische Imperialismus findet seinen unversöhnlichen Gegner im arabischen Imperialismus, in der panarabischen Bewegung. Die englischen Zeitungen brachten letzthin Erklärungen von Emir Faisul, dem König von Mesopotamien, der einen entschiedenen Kampf gegen jeden türkischen Versuch verkündet, die Provinz Mossul vom arabischen Mesopotamien loszureißen. Die arabischen Nationalisten haben die türkischen Siege begrüßt, da diese Siege die Schwächung der fremden imperialistischen und kapitalistischen Mächte im Orient zu bedeuten schienen. Diese fremde Herrschaft — englische, französische oder amerikanische — durcb eine türkische zu ersetzen, werden sie keineswegs geneigt sein. Nur auf dem Wege der Verständigung kann der Kampf zwischen Norden und Süden des Nahen Orients vermieden werden. Nur eine organisierte wirtschaftliche und politische Koordinierung der Bestrebungen, eine Kooperation im Aufbau des gesamten Läinderkomplexes kann die sichere Grundlage für eine friedliche und gedeihliche Entwicklung der beiden Teile des „Near East" bieten. Die Schaffung eines solchen Verbandes ist das Programm jeder — Fortschritt verheißenden — Regelung der Beziehungen zwischen Türken und Arabern wie auch zwischen den verschiedenen Stämmen der arabischen Nation. Die Einheitlichkeit des arabischen Volksorganismus, die Homogenität der von Aleppo bis Jemen und Tanger sich ausdehnenden arabischen Bevölkerung ist magno cum grano salis zu verstehen. Ebenso wie ethnisch