Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Palästina im Rahmen des Nahen Orients
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 194 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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194 Victor Jacobson: sie auch nicht auf diese beschränkt ist. Und doch hat man wohl erst in den letzten Jahren vor dem Kriege in den leitenden zionistischen Kreisen an „die arabische Frage" zu denken begonnen. Es ist bemerkenswert, daß z. B. in den gesamten drei Bänden von Herzls Tagebüchern mit keinem einzigen Wort auf die Araber als einen mitbestimmenden Faktor hingewiesen wird. In Palästina sind seit Jahren Versuche einer Annäherung an einzelne leitende Persönlichkeiten des palästinensischen Arabertums unternommen worden. Auch in Konstantinopel hat die zionistische Vertretung sehr vorsichtig, wie die damaligen Zustände es erforderten, Fühlung mit arabischen Mitgliedern der türkischen Kammer und des Senats und mit einigen arabischen Journalisten gesucht. Es fanden auch einige Begegnungen und Besprechungen der zionistischen Führer in Syrien mit arabischen Politikern statt. Es ist aber nicht versucht worden, eine allgemeine politische Aktion einzuleiten, um eine definitive Lösung des Problems zu erreichen. Nach der Balfourdeklaration beginnt die zionistische Leitung in immer wachsendem Maße der Frage unserer Beziehungen zu den Arabern ihre Aufmerksamkeit zu widmen. Eines ihrer größten Verdienste ist es, verstanden und klar formuliert zu haben, daß diese „arabische Frage", mit der die jüdische nationale Heimstätte in Palästina sich auseinanderzusetzen hat, keineswegs eine lokale, palästinensisch-arabische Frage, sondern die allgemeine, die große arabische Frage ist, daß wir — nach einem glücklichen Ausdruck Dr. Weizmanns — vor uns ein Dreieck haben, dessen Eckpunkte in Damaskus, Cairo und Bagdad abgesteckt sind. Weit über die palästinensisch-arabischen Grenzen reicht der Fragenkomplex, der diejenigen beschäftigen soll, welche sich über die politische Seite des zionistischen Problems Rechenschaft ablegen wollen. Wir denken dabei nicht an die „panasiatischen" Lehren, die in ihrer Allgemeinheit und Verschwommenheit den die unmittelbaren Aufgaben der. nächsten Zukunft vor Augen haltenden „student of politics" nur verwirren können. Wir glauben nur, daß man die palästinensische Frage im Zusammenhang mit den Fragen der politischen Entwicklung in den Ländern des Nahen Orients, mit denen unser altes Heimatland geographisch, wirtschaftlich und politisch auf das innigste verbunden ist, betrachten muß, wenn man gewillt ist, sich eine Vorstellung von dem weiteren Gang auch der palästinensischen Entwicklung zu machen. Palästina ist ja nicht eine isolierte Insel, von der übrigen Welt abgetrennt und unabhängig. Vielleicht kein anderes Land bietet weniger Möglichkeit, sein Schicksal abstrahierend von äußeren Einflüssen und Beziehungen zu betrachten. Palästina war auch in den entferntesten Zeiten der Geschichte ein Durchgangsland, eine Brücke, die verbinden, aber, in notwendiger Form ausgerüstet und verteidigt, auch trennen kann. Verbinden oder trennen — zwei Weltteile. Wenn man am Nahr el Kelb (Hundsfluß) |n Djunni bei Beirut steht, in engem Tal die uralte Brücke ansieht und die in