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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 3 · p. 176

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Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 3
Article
Der Untergang der Assimilation
Date
1921-01-01
Page
176 (sequence 6)
Language
German
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176 Bemerkungen: Der Untergang der Assimilation gehorchen. Wahrhaftig, das Glück und sogar die Freiheit sind keine höchsten Güter der Erde; es gibt höhere Güter, wenn sie auch nicht tastbar sind . '. ♦ Der Zionismus ist Apostasie von der Idee der Auserwähltheit und in diesem Sinne der Verrat am geschichtlichen Judentum ... Ich werde die Auserwähltheit nicht für das Linsengericht des national - territorialen Nationalismus hergeben . . . Mein Volk ist unglücklich, verfolgt, zerstreut," deshalb ist es aber nicht schlechter als alle anderen. Im Gegenteil: sein Schicksal ist eben deshalb so schön, weil es so eigenartig ist." Wir könnten Gerschenson antworten, daß nicht der Zionismus, sondern die Zerstreuung in Wahrheit an der Idee der Auserwähltheit Verrat übt, daß die palästinensische Konzentration die notwendige Voraussetzung für die eigenartige Entwicklung des Judentums ist, daß die Juden gerade hier, in der Diaspora, „Kleinbürger wie alle" werden, daß die jüdische Aristokratie der heutigen Zerstreuung, wie sie Gerschenson selbst geschildert hat, recht kläglich aussieht, daß das jüdische Palästina schon heute nicht ein Reich des Kleinbürgertums, sondern der schöpferischen Arbeit und des männlichen Opfers ist und noch mehr es sein wird, daß der Aufbau von Erez Israel unter den schwersten Anstrengungen vor sich geht und daß wohl kaum ein eigenartigeres Schauspiel in der Weltgeschichte zu finden sein mag. Nicht aber Gerschensons Kritik des Zionismus, sondern das eigentümliche Genießertum des Märtyrers für sein Martyrium scheint uns für den seelischen Zustand der Decadence, wie Iwanow es nannte, bezeichnend zu sein; und hätten wir seiner Kritik auch nichts zu antworten gewußt, wären wir selbst der „eigenartigen" Entwicklung des jüdischen Palästinas nicht sicher, so könnten wir doch mit ihm keine gemeinsame Sprache finden. Das heißt, daß der Zionismus für uns auch in dem Falle berechtigt wäre, wenn er nur und ausschließlich der elementare Drang des leidenden Menschen wäre, aus diesem Leiden zu flüchten. Wenn ein hungernder Mensch um sein Stück Brot kämpft, werden wir in uns keine Kraft finden, diesen Kampf zu stören, nur aus dem Grunde, weil das fette Lachen des Satten uns widerlich ist; wir würden ihm aber sagen, daß er wohl das Recht habe, satt zu werden, damit aber, daß er satt wird, seiner menschlichen Aufgabe nur die Voraussetzung geschaffen sei, die von diesem Augenblick an erst eigentlich angehe. Wenn ein gehetztes Volk für seine Freiheit kämpft, so ist es Pflicht derjenigen, die seinen Schmerz und seine Schmach mitfühlen, oder besser: als ihre eigenen fühlen — und das versichert doch Gerschenson von sich — nicht auf seinen Befreiungsweg neue Steine zu werfen, nur weil andere Völker in ihrer Freiheit Ketten für Fremde geschmiedet haben, und nicht seine Leiden verewigen zu helfen, nur weil sie so schön anzusehen sind; sondern mit ihm in seinen Kampf zu ziehen, um es aus der Befreiung weiter zur Erlösung zu führen, um den Befreiungskampf in einen Erlösungskampf zu verwandeln. Bezeichnender noch als seine Kritik am Zionismus ist die eigene „Philosophie der jüdischen Geschichte", die Gerschenson bietet. Er weigert sich zu glauben, daß die jüdische Geschichte eine Kette von unglücklichen Zufällen sei, die nur äußere Umstände hervorgerufen haben. Jerusalem wurde nicht deshalb zerstört, weil Alexander von Mazedonien ein genialer Feldherr und Rom ein mächtiger Staat war; die Juden wurden nicht deshalb zerstreut, weil es in den Gewohnheiten der antiken Sieger lag, die Besiegten in Gefangenschaft zu führen. Das jüdische Reich wurde zerstört, die Juden wurden zerstreut, sind in Zerstreuung bis heute einig geblieben, haben sich, von allen anderen Völkern abgesondert, unter unsäglichen Leiden und Opfern in Reinheit erhalten, weil es der jüdische Volkswüte so wollte. Zu diesem Zwecke wurden die Ritualgesetze ausgearbeitet, eine unüberwindliche Wand wurde, mit vollem Bewußtsein, zwischen Juden und Nichtjuden errichtet; die Gesetzgebung des Moses, ihfe Konsolidierung durch Esra und Nehemia, die Mischna und der Talmud, der Rabbinismus und das Gemeindesystem Polens und Litauens dienten demselben Zwecke — #e

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