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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 3 · p. 155

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 3
Article
Ostgalizien
Date
1921-01-01
Page
155 (sequence 10)
Language
German
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Ostgalizien 155 rascheste Lösung des bisherigen Hörigkeitsverhältnisses nicht nur für ein Postulat menschlicher und nationaler Würde, sondern vor allem auch für ein Gebot primitivsten politischen Taktes halten mußten. Denn nirgends vielleicht hat sich die Gefährlichkeit und Volksfeindlichkeit der sogenannten Assimilationspolitik so deutlich gezeigt, wie gerade hier, wo die jüdischen Massen gegen ihren Willen in die gefährliche. Situation des Werkzeugs der polnischen Unterdrückungspolitik gegen das zu politischer Gleichberechtigung emporstrebende ukrainische Majoritätsvolk gedrängt wurden. Kein Mittel war den polnischen Machthabern und ihren assimilatorischen Helfershelfern zu schlecht, um diese elementare politische Bewegung der jüdischen Massen zu ersticken und sie auch weiterhin unter das politische Joch zu zwingen. Die Wahlgeometrie des österreichischen parlamentarischen Polenklubs hat es zustande gebracht, daß bei der Einführung des gleichen Parlamentswahlrechts in Österreich nur sehr wenige Wahlkreise mit jüdische/i Majoritäten geschaffen wurden. Bei den allgemeinen Wahlen von 1907 und 1911 hat der von Amtswegen betriebene galizische Wahlschwindel in den jüdischen Wahlkreisen sich selbst übertroffen. Alle Künste der Überredung, der Bestechung, des Terrors und des Stimmendiebstahls wurden angewendet, um den assimilatorischen Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Und den galizischen Wahlen standen die galizischen Volkszählungen würdig zur Seite. In der Sprachstatistik Galiziens (wie Österreichs überhaupt) sucht man die Juden vergebens, obgleich die ganze Welt weiß, daß sie eine eigene Sprache sprechen. Aber in Österreich und vollends in Galizien wurde die Angabe der jüdischen Sprache, die einem manifestativen Bekenntnis zur jüdischen Nation gleichkam, unter Geld- und Gefängnisstrafe verboten. Zu Tausenden wurden 1910 diese Strafen gegen die revoltierenden Juden verhängt, zu Tausenden und Abertausenden die Volkszählungsbogen umgefälscht, bis das Ergebnis herausgekommen ist, daß über 800000 Juden Galiziens zu Polen „assimiliert" wurden. Der polnisch-ukrainische Pakt über die Landtagswahlreform von 1914 brachte dann endlich die erste gesetzliche Festlegung der jüdischen Hörigkeit gegenüber der polnischen Herrennation. Der Pakt sah die Schaffung von besonderen Wahlkatastern f ürPolen undUkrainer vor. Den Juden wurde nicht nur kein nationaler Kataster gegeben, sondern sogar das Recht genommen, zwischen dem polnischen und ukrainischen zu wählen. Sie wurden a priori dem polnischen Kataster zugewiesen. Um aber auch hier ihren Einfluß möglichst auszuschalten, wurden bei der Wahlkreiseinteilung die jüdischen Majoritäten in den Städten durch Zusammenkoppelung mit Dörfern in Minoritäten verwandelt. Infolge des Kriegsausbruchs kamen die Wahlen nicht mehr zustande. Die gegenwärtige. Lage. Die Einzelheiten der polnisch-ukrainischen Auseinandersetzungen während des Weltkrieges können hier übergangen werden. Nach dem Zerfall Österreichs brach zwischen Polen und Ukrainern der offene Krieg in und um Ostgalizien aus. Der ukrainische Nationalrat

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