Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Ostgalizien
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 147 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Ostgalizien 147 bleibt nichts übrig, als die Konfessionsstatistik von 1910 heranzuziehen, die wenigstens relativ verläßliche Ziffern bietet. Im allgemeinen sind die Polen römisch-katholischer, die Ukrainer Ostgaüziens griechischkatholischer Konfession. Bei den Juden decken sich — abgesehen von den wenigen, sich wirklich als Polen Betrachtenden, die jedoch kaum über 1 % ausmachen dürften—die Konfessions- und Nationalitätsdaten. (Die 43 000 ukrainisch und die 36 000 deutschsprechenden römischen Katholiken sowie die geringe Zahl der armenischen Katholiken ändern am Gesamtbild nur wenig.) Unter Zugrundelegung der Konfessionsstatistikerhalten wif folgende Ziffern: Rom. Kath. (Polen)..... 1 349 626 25,29% Griech. Kath. (Ukrainer) . . 3293073 61,72% Juden......•..... 658722 12,35% Andere........... 34 400 0,64% Schon diese Tabelle zeigt deutlich, daß Ostgalizien ein ausgesprochenes Nationalitätengebiet ist, die ukrainische Majoritätsnation steht mit kaum 62% zwei großen Minoritäten, der polnischen und jüdischen gegenüber, die zusammen fast 2/s der Bevölkerung bilden1). Von besonderer Wichtigkeit ist die Verteilung der drei nationalen Bevölkerungsteile auf die einzelnen Ortskategorien. Auf je 1000 Einwohner entfielen: Lemberg 19 Städte 83 Städtchen Dörfer Rom. Kath.......512 355 262 231 Griech. Kath. . . ♦ . . 191 248 313 700 Juden •........ 278 385 420 60 Die Hauptstadt des Landes hat eine polnische Majorität, die Juden bilden über ein Viertel, die Ukrainer bloß ein knappes Fünftel der Bevölkerung. In den Städten und Städtchen bilden die nationalen Minderheiten zusammen drei Viertel bzw. zwei Drittel der Bevölkerung, in den Dörfern erreichen sie 30%. Dazu ist in den letzten Jahrzehnten ein beständiges Wachsen des polnischen Elements zu beobachten. Ostgalizien war seit Jahren das Ziel einer starken polnischen Einwanderung aus Westgalizien. Diese ist bis zu einem gewissen Grade eine natürliche Folge der geringeren Bevölkerungsdichte und der günstigeren Bodenverhältnisse in Ostgalizien, zum erheblichen Teil aber wurde sie bewußt hervorgerufen und gefördert — aus politischen Gründen. Dieser polnischen Einwanderung läuft eine starke, wachsende ukrainische und jüdische Emigration parallel. Der Prozentanteil der Polen in Ostgalizien ist daher von 21,84 *m Jahre 1869 auf 25,29 im Jahre 1910 gestiegen, während in derselben Zeit der Anteil der Ukrainer von 64,86% auf 61,72%, der der Juden (seit 1890) von 13,6% auf 12,36% gefallen ist. Man sieht: schon die Zahlen- und mehr noch die Siedlungsverhältnisse *nachen Ostgalizien zu einem Nationalitätengebiet kat exochen. *} Von ukrainischer Seite wird allerdings behauptet, daß die Zahl der römisch-kathohschen Ukrainer bei weitem größer ist, als die amtliche Statistik behauptet. Der ukrainische Anteil an der Bevölkerung betrage mehr als 70%. 10 *