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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 3 · p. 140

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 3
Article
Thorastudium und Berufsarbeit
Date
1921-01-01
Page
140 (sequence 7)
Language
German
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140 Max Eschelbacher: täglichen Gottesdienstes noch einen breiteren Raum ein, bis es der Not des Lebens weichen mußte. „Frühmorgens fanden im Anschluß an den Gottesdienst Lehrvorträge statt. Als der Kampf ums Dasein sich schwerer gestaltete und nicht die nötige Zeit für das Studium übrig blieb, mußte es eingeschränkt werden, später sogar ganz ausfallen."1) Der Einblick in den Kampf der Gedanken im Innern des Judentums, in so viele sehnsüchtige Versuche, den rechten Weg zwischen Zeit und Ewigkeit zu finden, gibt uns erst das rechte Verständnis für die wundervolle religiöse Begründung und Verherrlichung, die die Berufsarbeit in der Lehre und in der Poesie des Judentums gefunden hat. Wir schweigen hier ganz von den ökonomischen und wirtschaftlichen Erwägungen, die den Nutzen und die Notwendigkeit der Arbeit dartun. Sie sind selbstverständlich. Auch die Sprüche Salomos stellen dem Faulen die Ameise als Vorbild hin, und auch der Talmud rühmt den goldenen Boden des Handwerks, denn „sieben Jahre dauerte die Hungersnot, aber an die Türe des Handwerkers klopfte sie nicht"2). Nein, ganz losgelöst von ihrer wirtschaftlichen Bedeutung ist im Judentum die Berufsarbeit als die Brücke zwischen Gott und dem Menschen und als der Vorbote von Gottes Herrlichkeit gefeiert worden. Und das ist ihre Kraft und ihr Segen gerade in den Gedanken der jüdischen Mystik. Denn das Judentum hat frühe schon das Wort geprägt, das die Nähe Gottes und seine Gegenwart unter den Menschen bezeichnet. Es nennt sie: Schechinah, das heißt: die Wohnung. Gott schlägt seine Wohnung unter den Menschen auf. Dieser Gedanke aber geht zurück auf das göttliche Gebot8): „Sie sollen mir ein Heiligtum errichten, daß ich wohne in ihrer Mitte/' Und an dieses Wort der Schrift hat ein Zeitgenosse des Simon ben Jochai eine Deutung geknüpft, die sie verklärt und in die Sphäre des Gebetes und des Thorastudiums erhebt. „Groß ist die Arbeit, denn auch der Heilige, gelobt sei Er, hat seine Herrlichkeit auf Israel erst ruhen lassen, als sie Arbeit vollbracht hatten, denn es heißt: Sie sollen mir ein Heiligtum errichten, daß ich wohne in ihrer Mitte."4) Das ist das würdige Seitenstück zu jenem Worte des Talmud, dessen wir schon gedachten, daß größer sei, wer von seiner Hände Arbeit lebe, als der Gottesfürchtige. Jetzt ist die schwere Arbeit des Menschen das Fundament, auf dem sich Gottes Thron erhebt, der Magnet, der ihn bei den Menschen festhält, ohne den die Welt wirklich ein Jammertal werden müßte, weil ohne ihn Gott die Welt verließe. In der Arbeit, die im Schweiße des Angesichts dem Menschen sein Brot gibt, ist das Leben der Ewigkeit eins geworden mit dem Leben der Stunde. Darum greift auch nach den Gedanken talmudischer Lehrer W?rt und Bedeutung unserer Arbeit weit hinaus über die Grenzen unseres leiblichen Lebens und bestimmt im Gegenteil unser Schicksal und das Urteil, a) E1 b o g e n, Der jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung, S. 79- 2) Sanhedrin 29a. ») II. B. M. 25, 8. *) Aboth de R. Nathan XI, x.

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