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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 3 · p. 138

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 3
Article
Thorastudium und Berufsarbeit
Date
1921-01-01
Page
138 (sequence 5)
Language
German
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13» Max Eschelbacher: Und dieses Ideal, die Vorherrschaft des Lebens der Ewigkeit und ihr Vorrang vor der Stunde und ihren Forderungen ist in jedem Geschlecht von edlen jüdischen Menschen unter den schwersten Opfern mit freudiger und dankbarer Hingebung verwirklicht worden. In seiner Energie und Entschiedenheit steht trotzdem das Wort des Simon ben Jochai im ganzen jüdischen Schrifttum wohl einzig da, und so schonungslos ist der Trennungsstrich zwischen der Stunde und der Ewigkeit wohl nicht zum zweiten Male gezogen worden. Um so mehr erinnert es uns an eine andere Stimme, die ein Jahrhundert vorher in Palästina gehört worden war. „Man kann nicht zwei Herren dienen, Gott und dem Mammon. Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen, noch für euren Leib, was ihr anziehen werdet. So sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Womit sollen wir uns kleiden? Nach diesem allem trachten die Heiden . . . ." Die Bergpredigt sagt nichts vom Thorastudium, aber in ihrer Grundstimmung erinnert sie uns an Simon ben Jochai; sie hkt den gleichen Gedanken: die Abkehr vom Beruf mit seiner Arbeit der großen Welt verkündet und weite Kreise außerhalb des Judentums ihm bis auf diesen Tag unterworfen. II. Nach der Legende erhält Simon ben Jochai seine Antwort aus den himmlischen Höhen: ,,Seid ihr gekommen, meine Welt zu vernichten? Gehet zurück in eure Höhle!" Gottes Richterspruch entscheidet gegen ihn und verkündet Ehre und Würde der Arbeit im Beruf und in der Welt. Wohl „haben viele getan, wie Simon ben Jochai", und der erhabene Marin erscheint wie die Verkörperung einer großen Strömung seiner Zeit. Dennoch aber ist diese ganze Bewegung im Judentum eine Episode geblieben. In Indien galten die Brahmanen als „eine Klasse, die niemals arbeitete", und der Niedergang des Buddhismus wird darauf zurückgeführt, daß die Mönche in Faulheit verfielen, weil ihr Lebensideal, die Sorglosigkeit, sie dazu einlud. Das Judentum hat solche Erscheinungen niemals gekannt. Es hat die Arbeit so hoch geehrt, wie die Thora und ihr Studium. Die Würde dieser Arbeit wird in unzähligen Äußerungen anerkannt, noch mehr, sie ist in der Halachah niedergelegt und im Religionsgesetz ausgesprochen. „Das Buch dieser Thora darf nicht aus deinem Munde weichen, sondern du sollst darüber sinnen Tag und Nacht", so heißt es im Buche Josua, und Simon ben Jochai, der Held der Legende, hat das Gebot ganz wörtlich aufgefaßt. Nur das Thorastudium ganz allein sei Recht und Pflicht des Menschen. „Was sollte aus der Thora werden, wenn der Mensch zu seiner Zeit säen, pflügen und ernten, dreschen und worfeln wollte?" Wird das Gebot so verstanden, dann ist jedes Geschäft, jedes Handwerk unmöglich geworden. Aber das Judentum hat diese Deutung nie anerkannt und das Wort ganz anders verstanden. Rabbi Ismael, der Genosse, in vielen Punkten auch der Gegner des viel bekannteren Rabbi Akiba, hat darum mit Simon ben Jochai gestritten und das Gebot des unbedingten, ausschließlichen

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