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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 3 · p. 137

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 3
Article
Thorastudium und Berufsarbeit
Date
1921-01-01
Page
137 (sequence 4)
Language
German
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Thorastudium und Berufsarbeit 137 sah, wie Rab Hamnunah lange im Gebete verweilte. Da sprach er: Sie lassen das Leben der Ewigkeit und beschäftigen sich mit dem Leben der Stunde!" Hier erscheint also selbst der Beter als ein Knecht der Stunde. Nach der Erklärung von Raschi ist aber das auffallende Wort der Ausdruck einer erhabenen Gesinnung. Als Leben der Stunde werde das Gebet bezeichnet, soweit der Mensch darin um Gesundheit, um Wohlergehen und um Nahrung bitte, soweit es also der Stunde und ihrer Not diene. Solche Bittgebete für die eigenen persönlichen Bedürfnisse sind freilich in unserer Tephilla selten und treten weit ztirück hinter den Gebeten zum Preise und zur Verherrlichung Gottes. Unter dem ewigen Leben aber versteht Raba nach Raschis Erklärung die Thora und ihr Studium. Talmud Thora, Studium der Thora ist also neben jenem Gebet, in dem die Bitte um das persönliche Wohl schweigt, der beste Ausdruck für die reine jüdische Frömmigkeit, für die völlig selbstlose und von jedem Egoismus losgelöste Versenkung in Gott und die göttliche Offenbarung. Darum ist auch von den drei Leitworten, die wir an die Spitze unserer Betrachtung gesetzt haben, ganz eigentlich jüdisch-charakteristisch nur Thora im derech erez, nicht aber ora et labora, und wir empfinden es mit voller Klarheit, mit welcher Entschiedenheit auch im Kleinen das innere Wesen des Judentums sich kund tut. Die Geschichte des Simon ben Jochai ist eine Legende und sie bringt deshalb die Gesinnung dieser weitabgewandten Frömmigkeit, die Middath Chassiduth, mit. äußerster Schärfe zum Ausdruck. Im Leben wird sie sich mit solcher Energie selten geltend gemacht haben. Aber Männer waren zahlreich, deren Herzen von einer heißen Liebe zur Thora ergriffen waren, so daß die Arbeit im Beruf weit zurück trat vor dem einen hohen Ziel, die Gedanken und das Leben ganz mit der Thora zu durchdringen und in dieser völlig aufzugehen. Davor verblaßte bei ihnen jedes andere Ziel. Ben Asai blieb unvermählt: „Was soll ich tun? Meine Seele liebt die Thora, die Welt aber kann durch andere erhalten werden"1). Und für andere wurde die Berufsarbeit zur Nebensache, zum Werkzeug für die Gewinnung des Lebensunterhalts, damit Zeit frei bleibe für die große Aufgabe des jüdischen Mannes, die Forschung in der Thora. „Beschränke dich im Erwerb und beschäftige dich mit der Thora" mahnt Rabbi Meir*). „Wenig Handel und wenig Verkehr mit dem Weltwesen" ist nach einer bekannten Stelle Voraussetzung für den Besitz der Thora. Hat sich aber erst der Mensch die göttliche Lehre zu eigen gemacht, dann erscheint sogar die Armut, die gefürchtete, die sonst nirgends im ganzen Umkreis des jüdischen Schrifttums verherrlicht wird, als ein beglückender Zustand. „Dies ist die Weise der Thora: Brot mit Salz sollst du essen und Wasser mit dem Maße trinken, auf der Erde sollst du schlafen und ein Leben voller Entbehrungen führen, aber mit der Thora sollst du dich beschäftigen. Wenn du so tust, dann gglfo und wohl dir! Heil dir in dieser Welt und wohl dir in jener Welt!"«) i) Jeb.63b. a) Spr. d.V.IV, 4, 6. ) Perek Kinjan Thora VI, 4, 6.

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