Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Eine Vorrede
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 132 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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13« Martin Buber: Ich meine also keineswegs, wie mir kürzlich in einer publizistischen Fehde zwischen zwei Gruppen der deutsch jüdischen Jugendbewegung zugeschrieben wurde, daß Gott „später" sei als das religiöse Erlebnis des Individuums oder des Volkes. Das „Erlebnis" geht mich nur noch insofern an, als es Ereignis ist, mit anderm Wort: als es mit dem wirklichen Gott zu tun, hat. Die Gott-Verseelungen, die mit „Vergottungs"- Gefühlen ausgestatteten Seelenüberschwänge des aus der vollständigen Wirklichkeit losgeschnittenen Selbstmenschen sind mir nur noch perspektivisch merkwürdig, wie ein Seiltanz zwischen zwei Klippen; was sich am Rande begibt, in der Sphäre, deren Reiz und Zauber darin besteht, das schwindlige Nichts zu meistern, ist immer merkwürdig und niemals wichtig; und letztlich ahne ich in dieser wunderlichen ereignislosen Erlebnishaftigkeit eine mehr als psychische, eine kosmische Perversion. Im Grunde kommt es ja überhaupt nicht auf das „Erleben", also auf die abgelöste Subjektivität, sondern auf das Leben an; nicht auf das religiöse Erleben, das eine Abteilung der Psychik betrifft, sondern auf das religiöse Leben, das heißt auf das vollständige Leben des Menschen, des Volkes, im wirklichen Umgang mit Gott und der Welt. Die „Verabsolutierung" des Menschlichen bedeutet dessen Herausreißen aus dem vollständigen Leben, aus der Wirklichkeit; und habe ich je — soviel ich weiß, unwissentlich — zu ihrer Förderung beigetragen, so obliegt es mir nun, , um so nachdrücklicher auf die Dimensionen der Wirklichkeit hinzuweisen. Es ist daher noch zum dritten der Begriff klarzustellen, der zwar letztlich nicht uneigentlich oder ungenau ist, aber an einigen Stellen dieser Reden ins Ungenaue oder Uneigentliche geraten ist — der Begriff der „Verwirklichung Gottes". Dieser Ausdruck, den ich in einem fundamentalen, noch klarzulegenden Sinn verantworten darf, wird uneigentlich, wenn, wie in der ersten Rede, davon gesprochen wird, Gott aus einer Wahrheit ,zu einer Wirklichkeit zu machen; denn so kann er zu der schillernden Meinung verführen, Gott sei eine „Idee", die erst durch den Menschen „Realität" werde, und weiter zu der hoffnungslos verkehrten, Gott sei nicht, sondern werde — im Menschen oder in der Menschheit. Hoffnungslos verkehrt nenne ich eine solche, heute in allerlei Varianten auftretende Meinung, nicht als ob mir ein göttliches Werden in der Immanenz nicht gewiß wäre, sondern weil wir nur aus der Urgewißheit des göttlichen Seins den Geheimnis-Sinn göttlichen Werdens, das Sichzuteilen Gottes an die Schöpfung und seine Teilnahme an dem Schicksal ihrer Freiheit, zu berühren vermögen, ohne jene Urgewißheit aber nur ein verblasener Mißbrauch des Gottesnamens walten kann. Berechtigt dagegen erscheint das Wort von der Verwirklichung zunächst, wenn und solange wir unter Wirklichkeit einen „Beziehungsbegriff des Denkens auf die Empfindung" verstehen, mit Cohen, der denn auch seinem letzten und bedeutendsten Werk, der „Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums") folgert, Gott könne keine Wirklichkeit haben. Denn dann ist es die Berufung unsres Menschseins, die Entzweiung von Sein und Wirklichkeit zu überwinden, das Göttliche in der empfindbaren