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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 2 · p. 101

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 2
Article
Elieser ben Jehuda
Date
1921-01-01
Page
101 (sequence 3)
Language
German
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Bemerkungen: EUeser Ben Jehuda 101 gönnen. Selbst Pinskers „Autoemanzipation" war noch nicht erschienen. Und Moses Hessens „Rom und Jerusalem", das allerdings schon zwei Jahrzehnte vorher erschienen war, war Theorie geblieben und hatte sich nicht unmittelbar in bewegende Tat umgesetzt. Bei Elieser Ben Jehuda aber handelte es sich damals, als die „Gewichtige Frage" erschien, (1880)'nur noch darum, wie man am schnellsten den Wasserstreifen des Mittelmeeres überquere, um endlich in Jerusalem zu atmen. Der frühere Entschluß, Medizin zu studieren, wurde aus Gesundheitsgründen fallen gelassen. Noch entscheidener auf den Berufswechsel hin drängte aber die gewaltige Ungeduld, an sein schöpferisches Erneuerungswerk heranzukommen; Einige Episoden aus diesen letzten Europatagen Ben Jehudas seien noch mitgeteilt. Es war natürlich genug, das der junge Auswanderer zunächst an die von der „Alliance" im Jahre 1870 eröffnete Ackerbauschule „Mikwe Israel" dachte und ihren Gründer, Netter, bat, ihm zur Arbeit darin zu verhelfen. Worauf er eine Antwort zu hören bekam, in der sich ironisches Erstaunen über die Einfalt des Suchenden und wohlwollendes Mitleid mit seiner bedrängten Lage mischten: die Alliance strebe danach, den Juden im Orient die französische Sprache beizubringen, um sie dadurch zu zivilisierten Menschen zu machen; die Aufgabe sei somit die Juden aus Palästina herauszuführen und nicht frische Menschen dahinein zu senden, und gar noch aus Paris! Freilich, wären die Juden aller Länder begeistert nach Mikwe Israel geeilt, so ließe sich der Versuch mit ihrer Zivilisierung wohl selbst in jener asiatischen Gegend glücklich durchführen. — Als Elieser — ein andermal — dem hebräischen Unterricht am Lehrerseminar der Alliance in Paris beiwohnte, wurde er Zeuge einer nicht minder charakteristischen Szene. Der bekannte Orientalist Joseph L e v y, der dort wirkte, geriet in heiligen Zorn darüber, daß die Schüler, künftige Kulturmehrer in den Schulen der Alliance, nicht einmal den bebräischen Namen für Heiodes kannten. Worauf einer der Schüler kurz und bündig bemerkte: „Man braucht nicht Hebräisch zu können, ,um ein guter Jude zu sein". Der Lehrer schwieg in tiefster Verlegenheit. Die Reise verzögerte sich noch einmal durch einen Anfall von Lungenschwäche. Aber die einzige Folge der Krankheit war, daß Elieser im Krankenhaus den Herausgeber der Palästina-Jahrbücher L u n z traf, mit dem er sich hebräisch unterhielt. Dieses schöne Erlebnis täuschte ihn über alle Gefahren seiner persönlichen Lage hinweg. Und schon hatte auch das Erneuerungswerk an der Sprache begonnen. Er fühlte, wie viele Worte und Wendungen dem biblischen Wortschatz fehlen, um den modernen Ausdrucksbedarf zu decken, und schrieb die aus der späteren talmudischen und rabbinischen Literatur geschöpften Worte in ein Heft; es fehlte aber gerade noch die Bezeichnung für diese Sammlung, die doch ein Wörterbuch sein sollte. Da wird das erste Neuwort geboren: „Milon", „Wörterbuch", jenes Wort, unter dessen Zeichen das Lebenswerk Ben Jehudas von nun an stehen sollte. Ben Jehuda ließ sich in Jerusalem nieder, und blieb 36 Jahre dort, in unermüdlicher erzieherischer und wissenschaftlich-philologischer Arbeit. Nur der Weltkrieg hat es vermocht, ihn gewaltsam in die Ferne zu treiben, nach New York, wo er wiederum nur am „Wörterbuch" tätig war. Er kehrte als erster mit dem Paß des „palästinensischen Staatsbürgers" nach Hause zurück, um dort die San-Remo-Deklaration und die Mandatsunterzeichnung zu erleben. Doch das Riesenwerk des hebräischen Wörterbuchs, von dem 5 Bände erschienen sind und noch zwei weitere durckfertig vorliegen sollen, war ihm zu vollenden nicht vergönnt. Elieser Ben Jehuda war der erste lebende Hebräer, für den die Sprache bewußt die einzige, seine, die natürliche, genauer: die durch einen leidenschaftlichen Willen zur Natur gewordene Ausdrucksmöglichkeit war. Niemand hat wohl mehr an ihrem Wortmangel gelitten als er, der sich durch keine andere, bequeme und fertige Sprache darüber hinweghelfen wollte. Und es genügte # ihm nicht, abstrakte Begriffe zu prägen oder in biblischer Bilderpracht zu schwelgen, es galt für ihn, Worte zu schmieden, welche die

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