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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 2 · p. 92

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 2
Article
Perez
Date
1921-01-01
Page
92 (sequence 2)
Language
German
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92 Hermann Weyl: Menschenkreatur, die lebte, litt, Leidenschaften hatte und überwand, und bei allem und doch nur als Stufe und Stadium seiner Lebenstotalität Kraft, Selbstbezwingung und Selbstbesinnung aufbrachte, um Werke und Taten von sich abzutrennen, sich und die Welt in ihnen zu spiegeln und über sie weiterzuschreiten im Gesetz ihres Lebens. Stellen wir uns, um dies ganz auszudenken, die Menschen hinter ihren Werken vor: Homer als Lebendiger, der auch die Ilias und Odyssee schrieb, Aischylos als Mensch, Dante, Goethe; denken wir einen kleinen Augenblick: wie war die Menschlichkeit, die seelische Ganzheit solcher Denker wie Piaton, wie Spinoza, Kant, Nietzsche. Denken wir ehrfürchtig einen kleinen Augenblick: wie war die Menschlichkeit unserer Großen im Judentum; welches die Seelenganzheit der Propheten, der Denker und Dichter, die uns ihre Werke hinterließen, ihr Leben, ihre Seelentotalität darin auch auslebten und ausbreiteten, und noch tausendmal reicher,vielfältiger, tieferundwunderbarerwaren. Was wir besitzen und ergreifen, sindWerke undTaten; was wir erahnend dahinter schauen, ein ganz persönliches Schicksal, kaum in Werken und Taten zu erschöpfen, denn der Mensch und seine Möglichkeiten sind um vieles größer als seine uns faßbaren Verwirklichungen. So können wir auch bei Perez nicht nur alle Tatsächlichkeiten nicht erschöpfen, als auf ein uns ewig sich Verweigerndes blicken wir auf seine Seelenganzheit, so wie er selbst gewesen sein mag, vielleicht sich selbst empfand, vielleicht sogar sich selbst noch verweigert blieb. Denn er war in Möglichkeiten reicher, als er sich je tatsächlich offenbaren konnte, und seine Werke und Lebensbeziehungen sind vielfältiger, als wir auch hier nur annähernd gedenken können. In der neuhebräischen und jiddischen Dichtung nimmt Perez eine einzigartige Stellung ein, denn als erster befreit er sich ganz von der harten Gebundenheit an seine engste Heimat, übersieht mit künstlerischem und tief verstehendem Sinn die Gesellschaft und die Menschen, wird der große Realist und bleibt der große Romantiker. Interessant ist sein künstlerischer und geistiger Entwicklungsgang. Zuerst war er Lyriker und Empörer. Aber die hebräischen Liebesgedichte „Die Flöte" (a#n)-, voll Tiefe und Anmut, fanden bei seinen nächsten Mitlebenden nur wenig Verständnis, und von seinem Empörertum verstand man nur so viel, daß er zu den Aufklärern hielt, Europäer sein wollte um jeden Preis, ganz den Maskilim zugehörig, wenig hinausragend über die populäre Haskalah. Er schrieb einen Aufsatz „Bildung** und sagte: „Wir wollen das Volk bilden, aus Dummköpfen kluge Leute, aus Fanatikern gebildete Menschen, aus Nichtstuern Arbeitsame, nützliche, ordentliche Menschen machen, die für sich arbeiten und auch der Allgemeinheit damit von Vorteil sind." Ein nützliches, ehrenwertes Ziel, wie man sieht, kaum beschwert von einer unendlichen Fülle lebendiger Wirklichkeiten des Volks- und Geisteslebens. Ein junger Heißsporn, der die Welt erschöpft glaubt in seinen

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