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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 2 · p. 91

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 2
Article
Perez
Date
1921-01-01
Page
91 (sequence 1)
Language
German
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Hermann Wey 1: Perez 9* HERMANN WEYL / PEREZ (Aus einem zur siebenten Wiederkehr seines Todestags gehaltenen Vortrag) Netze sind vielverzweigend zwischen Mensch und Umwelt gespannt, in dieser Gegenbeziehung erschöpft sich der Kreislauf unseres Lebens. Mensch: das große oder kleine Ich, der Ringende oder Geruhsame, der Ruhelose oder Behagliche, der titanisch Entwurzelte und erst nach langer Mühsal sich Wiederfindende oder der in oft unverständlicher Sattheit und Rätsellosigkeit, oft in kindlicher Harmonie Dahinlebende, der ohne Störung, Kampf und Mühsal sein Dasein abschreitet. Und Umwelt: ein Gefüge von Dingen und Wesen ohne je auszudenkendes Maß. Erst vielleicht nur Mutter, Eltern, Freunde, Geliebte, auch Bäume und Flüsse, Tiere, Wolken, Horizonte und weite Meere; gefühlte Wesenheiten, die sich im Gefühl erschöpfen. Später die Stadt, der Staat, die Gesellschaft, die Menschheit, die ganze künstlerisch durchglühte und leidenschaftlich umworbene Natur, der Kosmos und die Gottheit: immer größere Kreise, immer riesenhafteres Sein, das sich dem einzelnen Menschen entgegenreckt und Stellungnahme, ja Entscheidung von ihm verlangt. Ein jeder Mensch wächst in seiner Beziehungsfülle, und man kann sagen, daß der innerlich nicht immer Beziehungsreichere und Beziehungsreichere im eigentlichen Sinne nicht wächst und lebt, sondern animalisch oder verworren, oberflächlich und als Maske atmet, gewissen körperlichen und seelischen Notwendigkeiten erliegt, und schließlich im Tode sein inneres Gestorben-sein nur eigentlich realisiert; ein trotz vieler Gegenargumente doch nicht imnw wirklicher Fall, weil die Menschen innerlich oft reichersind, als sie es wissen und zugestehen, und stets an einem inneren Schöpfertume zehren dürfen. Wir sehen, wie schwierig die Lebensgestalt eines Menschen zu erschöpfen ist, und begnügen uns auch hier mit Ausschnitten aus der Persönlichkeit, mit möglichst leuchtenden Seiten, in wissender Resignation, um alles nicht Gesagte — gleichwie der Maler, an der Landschaft begeistert, doch immer nur an einer Gestaltung sich begnügen muß, und tief im Herzen die unausgeschöpfte Natur weiterträgt. — Noch ein Gesichtspunkt scheint wichtig und grundlegend. Was meint man so durchschnittlich und leichthin, wenn man von einem Großen spricht und seine Bedeutung würdigt? Man meint seine Werke, seine Taten. Was er — allen zugänglich — objektivierte: Dichtungen, Gedankenbauten, Bildwerke, religiöse Bekenntnisse, politische Akte usw., das ist uns Fremden und Eigensüchtigen sein Wesen, und doch waren es nur Äußerungen, teilweise Offenbarungen seines Wesens, Ausschnitte, begrenzte Bewußtheiten. Dieser Schöpfer selbst hinter seinen Werken ging nicht ganz in seine Werke und Taten ein, und bewundernd, ja erschreckt wenden wir für kurze Zeit unsern Sinn auf diese lebendige

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