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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 1 · p. 61

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 1
Article
Die Aufgaben der zweiten Konferenz der palästinensischen Arbeiterschaft
Date
1921-01-01
Page
61 (sequence 4)
Language
German
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Umschau: Arbeiterbewegung in Palästina 61 ständige Arbeitslosigkeit der weder da noch dort Beschäftigten, vergißt sich nur allzuleicht, und die Linken benützen die Mißstimmung und geben die Parole aus: Weg mit dem Misrad, der uns nur am Klassenkampf hindert, weil wir gegen ihn als eine Unternehmung der Arbeiterorganisation nicht streiken können! Freie Bahn für unbehinderten Klassenkampf gegen die Unternehmerl Es steht hier Klassengesichtspunkt (oder besser: Gesichtspunkt des Individuums) gegen zionistischen. Derselbe Antagonismus tritt uns entgegen, wenn von seiten der Fachmänner — und auch wieder der „Linken" — das Prinzip der Ausgleichung der Löhne (Haschwaath mechirim) angegriffen wird, auf dem die Histadrut aufgebaut ist. Sozialisten anderer Länder scheuen sich nicht, Fachleuten höhere Löhne zu zahlen. S. G. Hobson empfiehlt in seinem Buche über National Guilds (London 1919, S. 137) den Gilden geradezu, Fachleute durch hohe Bezahlung anzuziehen. Notgedrungen tut das auch unser Misrad, aber nur notgedrungen. Denn die „Ausgleichung der Löhne" ist keine kommunistische Schrulle, sondern wiederum durch die Notwendigkeiten der Einwanderung diktiert. Sehr gute Bezahlung weniger Fachmänner bedeutet dauernde Niederhaltung der Einwanderer, die ja fast sämtlich als ungelernte Arbeiter kommen und deren Kwuzot nunmehr den Fachmann bezahlen müssen, der bei ihnen arbeitet. Daher hat der Misrad die Ausbildung von Fachleuten innerhalb der Gruppen gefördert und dabei außerordentliche Erfolge erzielt — immer gegen den Widerstand der Fachmänner. Freilich besteht immer die Gefahr, daß der einmal ausgebildete Fachmann auch wieder seine Kwuzah verläßt und lür eigene Rechnung arbeitet. Ein Mittel gegen solche „Desertion" ist bisher nicht gefunden worden. Aber sie ist doch Ausnahme. Im ganzen verstärkt die Ausbildung von Fachleuten innerhalb der Kwuzah deren Ökonomische Leistungsfähigkeit und erhöht die Möglichkeit der Aufnahme neuer Genossen aus den Reihen der Einwanderer. Wie ist nun das Verhältnis des Misrad, der Kooperative, zur industriellen Gewerkschaft der Bauarbeiter? Beide stehen wie gesagt unter einer Leitung. Dies liegt heute auch daran, daß der Misrad der größte Bauunternehmer ist und daß dieselben Arbeiter bald bei ihm, bald bei privaten Firmen Arbeit finden. Der Misrad als Unternehmer (Kooperative oder vielmehr Gilde)1) war früher da als die gewerkschaftliche Organisation der sämtlichen Bauarbeiter, deren Leitung er nunmehr auch darstellt. Er vereinigt damit zwei Funktionen, deren Tendenzen eigentlich widersprechend sind, denn die Gewerkschaft hat zunächst die Rechte der Arbeiter als Konsumenten zu schützen (Arbeitszeit, Lohn usw.), während die Gilde unter dem Drucke der kapitalistischen Konkurrenz, mit der sie kämpft, den Arbeitern als Unternehmer mit entsprechenden Forderungen gegenübertreten muß. In Palästina ist der merkwürdige Zustand eingetreten, daß die Gilde für öffentliche Arbeiten zuerst da war und dann erst an die Organisierung der bei Privatunternehmen arbeitenden Genossen schritt; in anderen Ländern ist der Weg umgekehrt: die Trade Union organisiert und finanziert oft einen Teil ihrer Genossen in einer Gilde. Ben Gurion geht in seinen zentralistischen Vorschlägen so weit, daß er den Misrad vollständig von den Gewerkschaften trennen und dafür bei der Leitung der „Gesellschaft der Arbeitenden" ein Departement für Übernahme und Durchführung von Öffentlichen Arbeiten schaffen will. Andere Departements für Landwirtschaft, Konsum usw. sollen ebenfalls bei der Leitung sein, immer aber gewählt durch die gesamte Arbeiterschaft und nicht durch die entsprechende Gewerkschaft oder Institution (Maschbir usw.). Dafür sollen die Gewerkschaften (landwirtschaftliche, Eisenbahner-, Bauarbeiter usw.) sich mehr den rein gewerkschaftlichen Aufgaben widmen, während die Organisierung, Kontrolle usw. der in den verschiedenen Zweigen gegründeten und zu gründenden Kooperativen (Peula mischkith) Sache der Gesamtleitung der Organisation sein soll. Gegen diese scharfe Trennung von Gewerkschaft und Siedlungsarbeit macht sich freilich eine starke Opposition geltend, weil man eine Mechanisierung und Bureaukratix) Den Unterschied von Gilde und Kooperative wird man darin erblicken dürfen, daß die Kooperative nur im Dienste ihrer Genossen steht, während die Gilde in engem Zusammenhang mit der gesamten industriellen Gewerkschaft ihres Arbeitszweiges steht, gewissermaßen als Vortrupp im Kampfe um die volle Kontrolle der Produktionsmittel durch die Arbeitenden. Daher die Gilde immer bestrebt sein wird, ihre Genossenzahl zu vermehren. /

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