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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 1 · p. 59

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 1
Article
Die Aufgaben der zweiten Konferenz der palästinensischen Arbeiterschaft
Date
1921-01-01
Page
59 (sequence 2)
Language
German
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Umschau: Arbeiterbewegung in Palästina 59 IL Die „Gesellschaf t der Arbeitenden*'. Die eigentliche Parole der Konferenz wird die von Ben Gurion ausgegebene sein: „Gesellschaft der Ar behenden" (Chewrath owdim). Der jüdische Arbeiter hat in Palästina von Anbeginn danach gestrebt, nicht Lohnarbeiter des privaten Kapitals zu sein, sondern eigene Wirtschaften und Betriebe in Stadt und Land zu schaffen. Ökonomische und nationale Gründe, über die hier nicht zu sprechen ist, (Konkurrenz der billigen arabischen Arbeit usw.) traten zu den psychologischen hinzu. Heute ist eine große Zahl landwirtschaftlicher und städtischer Betriebe in den Händen der Arbeiterschaft, nach Ben Gurions Wort Stationen auf dem Wege zur Verwirklichung des sozialistischen Zionismus, zur Schaffung einer produktiv arbeitenden jüdischen Gesellschaft in Palästina. Aller diese Betriebe sind isoliert, unabhängig voneinander, oft nur zufällig entstanden und ohne greifbaren, ökonomischen Zusammenschluß. Gerade er aber ist nötig, wenn die Arbeiterschaft das Ziel erreichen soll, das sie anstrebt: Erweiterung der Möglichkeit der Einwanderung, ökonomische Unabhängigkeit, Schaffung einer von Ausbeutung freien Gesellschaft. Heute ist jede einzelne Wirtschaft (Farm, Werkstatt) im faktischen Besitze des kleinen Häufchens von Arbeitern, die sie führen. Sie hat so alle Nachteile einer kleinen Privatwirtschaft ohne die Vorteile einer individuellen Wirtschaft, aber auch ohne die eines Großbetriebs Um zu reüssieren und dem gefürchteten Defizit zu entgehen, muß sich die Gruppe bei der Aufnahme neuer Genossen die größte Beschränkung auferlegen, vor den neuen Einwanderern die Türe schließen. Sie darf nicht fragen: „wie können wir möglichst viele Einwanderer bei uns unterbringen?" sondern: „wie festigen wir unsere Wirtschaft?" Dazu kommt, daß die verschiedenen von den Arbeitern betriebenen Wirtschaftszweige einander vielfach als Konkurrenten gegenüberstehen: bei der Verteilung des Budgets, soweit dieses von außen (durch die zionistische Organisation usw.) bestritten wird; Konkurrenten auch als gegenseitige Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Produzenten und Konsumenten (z. B. Bau von Häusern für ländliche Kwuzot durch städtische Kwuzot, Lieferung von Lebensmitteln an städtische Arbeiter durch ländliche). Endlich ist da die Gefahr einer Schaffung ▼on zwei Klassen innerhalb der Arbeiterschaft: Arbeiter in Kooperativen, die dank der Finanzierung duich die nationalen Mittel in den Besitz von Produktionsmitteln gekommen sind, (Nationalfondfarmen, Kooperative für öffentliche Arbeiten) und Lohnarbeiter beim privaten Kapital, die nur über ihre Arbeitskraft verfügen Wir haben aber gar keine Gewähr dafür, wie lange diese Lohnarbeiter gewillt sein werden, die schwere Last der Einwanderung zu tragen Denn selbstverständlich bedeutet die anhaltende Einwanderung einen ständigen Druck auf Lohn und Lebenshaltung der schon im Lande befindlichen Arbeiter. Es gibt deswegen eine heute immerhin noch kleine Gruppe von Arbeitern, die gegen die Einwanderung ist. Sie erhält geistigen und politischen Sukkurs von den M. P. S., die aus antienglischen, antizionistischen Gründen daran interessiert sind, Unzufriedenheit zu säen, Beschränkungen der Einwanderung herbeizuführen, die Versuche eines konstruktiven, auf Kooperation aufgebauten Sozialismus zu sabotieren. Ihre Zahl ist freilich nur eine winzige. Heute hält beim größten Teil der Arbeiter noch der Geist derChaluziuth der Versuchung stand. Aber auf diesen aus der Galuth mitgebrachten Idealismus kann man nicht dauernd bauen. Die Histadrut muß sich zur Chewrath owdim umbauen, um zu verhüten, daß das nationale Kapital nur einem Teile der Arbeiterschaft zugute komme und der andere, größere Teil destruktiven Ideengängen zum Opfer falle. Beispiele für die tatsächlich bestehende Zersplitterung der im Dienste derselben Idee geschaffenen Institute: Die im Kriege in kleinem Maßstabe geschaffene Konsumgenossenschaft „Hamaschbir" ist heute eine der größten Firmen des Landes. Sie besitzt Zweigstellen in den Städten (in Jaffa allein drei), baut jetzt im neuen Geschäftsviertel von Telawiw ein eigenes Haus für ihre Geschäftsräume und die Wohnungen ihrer Arbeiter, die Anweisungen, welche die Kooperative für öffentliche Arbeiten (der Misrad) auf Grund des vom Maschbir eingeräumten Kredites an ihre Arbeiter ausgibt, sind ein allgemein verbreitetes Notgeld geworden, mit dem man Mieten zahlt, auf dem Markte kauft usw. Aber der Maschbir sorgt nur für seine eigene Rentabilität und läßt sich von den Gesichtspunkten eines privaten Geschäftsbetriebes leiten. Er hat bisher noch nichts dazu getan, um initiativ die Konsumkraft seiner Mitglieder in den Dienst der

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