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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 1 · p. 49

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 1
Article
Jabotinsky als Schriftsteller
Date
1921-01-01
Page
49 (sequence 2)
Language
German
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Bemerkungen: Jabotinsky als Schriftsteller 49 Fragen vor, vorl russischer Judenheit selbst angefangen; tiberall ist leicht eine Einheit des Urteils und der Einstellung festzustellen. Den Juden ist ein Abschnitt in seinem Feuilletonbuche gewidmet und im Schauspiel treten fast ausschließlich Juden vor uns hin. Das erste, was dabei in seiner Beurteilung der Juden auffällt: nur wenn Jabotinsky in jüdische Vergangenheit schaut und sie sich als einen unendlichen Kampf mit einem weitaus überlegenen Feinde vorstellt, findet er Worte der Bewunderung und der Achtung. Sonst aber ist für ihn die Judenheit kleinlich, falsch, feig, jedes Stolzes bar, immer bereit sich in den Dienst der anderen zu stellen. Er hat nichts Gemeinsames mit diesen Juden, er will nichts Gemeinsames mit ihnen haben, er hat von ihnen nichts zu empfangen, nichts zu lernen, seinen Weg hat er gewählt und hartnäckig geht er ihn weiter, ohne nach rechts oder links zu schauen. Für alle anderen hat er Verständnis, nur für das würdelose Volk der heutigen Juden nicht „Ihr seid die einzigen in der Welt", sagt ihnen Jabotinsky, „deren Feste ich nicht teile. Keine von euren Freuden ergreift mich, euer Unglück erscheint mir kleinlich, euer Morgen ist mir gleichgültig. Für mich existiert nur mein Morgen, nur meine Morgenröte . . ." „Ich diene nicht und will nicht dienen irgendeinem Ding von dem, was. euch teuer ist." Dann kommt die Erklärung: in wenigen Worten drückt Jabotinsky seine Entrüstung aus über den kleinen niedrigen Geist, der im heutigen Ghetto herrscht, und zeigt auch die richtige Art, seine Art, auf die Unwürde, mit der die Welt und die Juden selbst das jüdische Leben umgeben haben, zu reagieren. „Wenn ihr über eure Wunden weint, ist es mir widerlich, weil ihr eine große Tragödie in Scheidemünze umgewechselt habt. DieseTragödiemußmit zusammengepreßten Zähnen, mit blassen Gesichtern, mit trockenen Augen gespielt werden." Im Schauspiel „Das fremde Land" zieht an uns eine ganze Galerie von jüdischen Typen vorbei; man hat den Eindruck, als ob es das Ziel des Verfassers sei, vor unsere Augen das ganze russisch-jüdische Ghetto einer bestimmten Zeitperiode zu bringen. Da »st ein selbstbewußter, selbstsicherer Revolu- Heft 1. tionär, in seiner Art eine Kraftfigur, für den aber die Juden nur als Werkzeug seines Zwecks, der russischen Revolution, dienen; „das jüdische Blut ist für ihn", wird um von ihm erzählt, „nur das Schmieröl auf den Rädern der russischen Revolution" (übrigens ein authentischer Anspruch eines bundistischen Führers jener Zeit). Er sieht sein Werk daran zugrunde gehen, daß zwischen ihm, dem Juden, der kein Jude sein will und es trotzdem bleibt, und den Russen im entscheidenden Moment eine unüberbrückbare Kluft sich auftut, da es, wie derselbe Jabotinsky in einem seiner Aufsätze ganz richtig bemerkt, im Augenblick des revolutionären Enthusiasmus „nötig ist, daß die Masse und ihr Held im gleichen Tone sprechen, daß der Redner ein eigener sei, vom Kopf bis zu den Füßen, daß in Stimme, Tonfall, Gesichte das Eigene gefühlt werde... Das Volk fühlt den Fremden und tritt instinktmäßig beiseite." Um diesen Revolutionär herum gruppiert sich eine Menge von teils naiven, teils einfach dummen, schwatzhaften, oberflächlichen jungen Männern und Frauen, die von der Revolutionswelle überschwemmt worden sind und selbst nicht wissen, was sie wollen, wem sie dienen und wofür sie kämpfen. Abseits stehen internationale Figuren (auch diese selbstverständlich Juden) — ein kokettes Provinzmädchen, ein kleinlicher Weltmann. Ein gewesener Revolutionär lehnt sich gegen die Schmieröllügeauf, will seine eigenen Wege gehen und die Juden sie gehen lassen. Flammende Entrüstung spricht aus seinen Worten: „Mein Volk sollte wie Felsen stehen und es ist zum fremden Gastmahl gegangen, es, indessen Wein die tausendjährige Tragödie ihre geheimnisvollen Essenzen goß." Einmal existierte für dieses Volk ein Gebot, „Gebot des Stolzes, kalten, unerbittlichen, unüberwindlichen, harten, bodenlosen Stolzes des Königs, der des Thrones und der Krone beraubt worden ist". Heute ist dieses Gebot überschritten worden, es ist nicht wiederaufzurichten und muß von einem andern ersetzt werden: „Nichts nehmen und nichts schenken! Seine Lumpen wahren und so inmitten ihrer (der Fremden) Pracht hindurchgehen ohne die Augen zum Glanz der fremden Schönheit aufzuschlagen, ohne ihre Nahrung zu genießen, 4

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