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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 1 · p. 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 1
Article
Paulus, der Bekehrer
Date
1921-01-01
Page
42 (sequence 11)
Language
German
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42 Eduard Strauß: ihn geschehen ist. So hat es zwar noch den Schein seiner Verbindung mit der Erlösung bewahrt; aber nach Christus ist es gleichgültig und erledigt. Christus ist des Gesetzes Ende» Im Kampf für ihn schafft Paulus seine Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben allein. Das alltägswirkliche Tun, in dem der jüdische Mensch sich mitten im Leben heiligt, liegt nun ganz fern. Das Gesetz, offenbar gegeben für uns um des Bundes willen — uns macht es heilig. In der christlichen Welt wird der Mensch heilig, indem ihn „seine Mutter, die Kirche" mit den ihr übergebenen Mitteln heiligt. Ihre Sakramente wirken da, wo im ewigen Volke das Tun nach dem Gesetz wirkt. Die Trennung zweier Welten ist restlos vollzogen. Die Welt der Völker sieht jetzt, was sje einzig zu sehen vermag; das Eine Volk und seines Daseins ewiges Gesetz bleibt ihr, auf immer unsichtbar, im Rücken. Erinnern wir uns: in der alten Welt ruhte der Jude im heidnischen-Weltumkreis, wohnte der, dessen Wort nicht gehört werden konnte, unter denen, für die er „der Stille im Lande" war. Nun wird das Wort, das christlich ausgeht, öffentliche Rede* in aller Munde, Klang vor aller Ohren. Der ehedem nicht verstanden zu werden brauchte, wird jetzt der für alle Zeit Unverständliche. Er wird es mit Notwendigkeit: die laute Rede selber streitet wider ihn, wie alle Rede die Stille verneinen muß, ob sie auch ihr gerade entquillt. Den Stillen befehdet das laute Wort, die Völker befehden das eine Volk: das hat mit Paulus begonnen und kann erst enden, wenn die Rede selber in die letzte Stille der Endzeit mündet. 1 , Anders das Mittel der Bindung — anders die; Gemeinschaft selbst. Saul, der Jude, hat in der jüdischen Gemeinschaft, ihrem Blute entsprossen, gelebt. Paulus, der Christ, treibt das jüdische „Wir" nach außen: er stülpt es gleichsam um. Am Tag von Damaskus ist jenes „Ich aber sage euch" in ihm aufgeklungen. Sein neugeborenes Ich scheidet sich ab und sucht sich eine Welt: aus der leibhaften Enge und Heimlichkeit des jüdischen Seins bricht, wie ein Blitz in den heiteren Himmel der Völkerwelt, das Wort „Wir", jetzt als suchender Ruf nach einer neuen Gemeinschaft. Das mußte das Kennzeichen dieser Gemeinschaft werden: ihre Neuheit. Im Innern des ewigen Volkes ist Gemeinschaft nicht alt, nicht neu; sie ist jetzt und immer, in jedem Augenblick so völlig, so ganz und gar gegenwärtig wie urehedem und fernzukünftig. Nun aber, da das Wort des Heils mit einer besonderen Art der bindenden Heiligung zu den Völkern gelangt, muß sich ein neues „Wir" im ewigen Suchen erst auferbauen. Es ist nicht da, es soll erst werden: in der Welt der Völker ist es durch all ihre Zeitlichkeit hindurch noch nicht. Das Wort „Wir vor Gott", jetzt über die Breite und Weite aller Völker gerufen, ist, wird auf ein im Sturm der Zeiten flatterndes Panier geschrieben und wird zum Wahrzeichen für die, die da kommen wollen, sich im Zeichen des Kreuzes zu sammeln. Das Wort breitet sich aus und hinaus, es ent- K sendet seine Schallwellen nach ewigem Widerhall. Die Gemeinschaft der Kirche, zugleich Gemeinde der Endzeit und Statthalterin für sie im „Inzwischen" aller Geschichte, empfängt ihre irdische Festigkeit nicht durch

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