Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Paulus, der Bekehrer
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 39 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Paulus, der Bekehrer 39 bringt den Völkern die Heilswahrheit: das Werk des Erlösers ist getan. Aber die Erlösung — Eure Erlösung — soll erst noch werden. Die Menschheit, alles Irdische, Daseiende, all das, was „nur" lebt, ist noch nicht im Stande der Erlösung und des ewigen Lebens, und gelangt dazu nur nach Maßgabe der Bereitwilligkeit, das getane Werk gläubig aufzunehmen, die Mitteilung der Gnade zu empfangen, der Gnade, auf die es allein ankommt. Der Gegensatz der christlichen Ewigkeit ist nicht die Zeit, sondern die Zeitlichkeit, der Ablauf des Lebendigen in seiner heidnischen Unerlöstheit. Die Zeitlichkeit ist die Lebensform der von Urbeginn an sündhaften Menschheit. Denn sündhaft ist der Mensch, der von Adam stammt und sündhaft ist alles Fleisch. Was der Sünde als Erlösung gegenübersteht, das ist Christus und der Geist. Christus ist Mensch geworden, ist im Fleisch erschienen, um, ein neuer Adam, den alten Adam zu überwinden; mit Adam hat eine Menschheit begonnen, mit Christus beginnt eine neue. Er ist geworden, was die Menschen sind, damit sie durch seinen Tod werden, was er ist; ,,der erste Mensch war von der Erde und irdisch, der zweite ist vom Himmel". Mit der äußersten Trennung von Fleisch und Geist, mit der unerbittlichen Gegenüberstellung von Zeitlichkeit und Ewigkeit (die doch eine ganz andere ist, als die platonische), hat Paulus das Angesicht der Welt gewandelt: es erblaßte vor dieser richtenden Umwertung. Kampf ist fortan gesetzt zwischen Fleisch und Geist, Seele und Leib; innerhalb der Zeitlichkeit der Geschichte selbst muß dieser Kampf geführt werden, auf daß der christliche Sieg errungen werde und Christus wiederkehre: über Adam, den Urmenschen, triumphiert Christus, der Gottmensch, amEnde einer Weltgeschichte, die erst durch sein Erdenleben anfing, Heilsplan wurde, und mit seiner verklärten Wiederkehr abschließt. Den Glauben an Jesus, den Christus, und damit sein Erlösungswerk vermitteln, heißt: durch jene „erhöhte Gestalt" das Leben des Menschen selbst gestalten. Es kann nicht allein darauf ankommen, daß Einer sein Erlebnis und die aus ihm quellenden Gedanken berichtet; es muß Möglichkeiten geben, das ganze Dasein des zu Erlösenden neuzuprägen. Diese Möglichkeiten sind die beiden inneren Ereignisse im Leben des Jesus von Nazareth, Taufe und Abendmahl; in ihrer Darreichung übertragen sie auf jeden das Sein Jesu in voller Realität, geben ihm Teil an der Gnade. Sie sind die Heiligungen schlechthin, die Sakramente. „Wisset ihr nicht, daß wir alle, die wir auf Christus getauft sind, auf seinen Tod getauft sind?" schreibt Paulus. Engste Teilnahme am Erlöserleben bedeutet es, wenn er sagt: „Soviel euer auf Christus getauft sind, habt ihr Christus angezogen." Mit dem Abendmahl nimmt der Christ an der göttlichen Person seinen Anteil: „Der gesegnete Kelch, welchen wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn Ein Brot ists, so sind wir viele Ein Leib." Das jüdische Pesach wandelt sich ins christliche Abendmahl: „Als unser Passah ist geschlachtet Christus. So laßt uns denn Fest halten nicht mit altem Sauerteig, noch mit Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit