Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Legion der Arbeit
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Legion der Arbeit Ii liehen Behauptung die ernstesten. Und doch stehen diese Fragen im Gdud nicht so im Vordergrund wie man annehmen sollte, vielleicht noch nicht, vielleicht aber aus dem ganzen Wesen der großen Kommune heraus nicht. Diese ist eben kein enger Bund, sondern die Arbeitssiedlung der entschlossensten 4er Pioniere, des „Vortruppsum einen oft mißbrauchten deutschen Ausdruck zu gebrauchen. So steht im Gdutf in allen G^prächen, in allen Artikeln, in den meisten Diskussionen eben nicht die Frage der Erziehung im Vordergrund, sondern die Idee der Arbeit. Ein untrügliches Gefühl lebt in den Führenden (es sind nicht wenige, aber sicherlich für die zu lösende Aufgabe zu wenig): was schadet es, wenn aus den und den persönlichen Gründen Einzelne oder auch ganze Gruppen absplittern: von der Idee sind sie doch beeinflußt und damit ist manches gewonnen; die Idee und die Siedlung der großen Kommune aber ist überpersönlich, nicht wie die kleine Siedlung vom Versagen der Einzelnen abhängig. Hier eben liegt die Größe des neuen Gedankens: durch den für Erez Israel bisher nicht erreichten Umfang der gestellten Aufgabe wird die Weite des Gesichtsfeldes, die Möglichkeit des Tuns, die Kraft der Leistung gesteigert. Das empfindet man im Galil, wenn man die Reihen der schnurgeraden Zelte durchgeht, den Umfang der bestellten Felder und Pflanzungen überschaut, und mehr als das: den Einfluß des Gdud überall spürt — mag auch ein Augenblick da sein, wo innere Unausgereiftheit seine Einflußsphäre nach außen zeitweilig schwächt. Es ist schwerer, aber größer, statt eine kleine Gruppe eng vereinter Menschen zu bilden, gewissermaßen eine ideale Wehrmacht zu schaffen, die alles zu umfassen strebt, was tatkräftigen Aufbau will, die durch die Idee des produktiven Aufbaus und der schöpferischen Arbeit eint und nicht durch Bluts- oder Freundschaftsband, die ideelle Anforderungen stellt und planvoll schafft, statt nach dem sonst nur zu üblichen System der Systemlosigkeit, des sich nach den Verhältnissen Richtens, erst prüfen Wollens arbeitet. Eine gewisse Starrheit hat der Gdud, die Starrheit, die viele bedenkliche Gemüter hindert, die aber seine Stoßkraft bedingt. Den Hauran erobern, wo noch keines Juden Fuß siedelt: das ist der nächste Plan in der Richtung des Gdud, keiner Phantasie entsprungen, aber seiner Idee gemäß, die inmitten des .Lagers, über allen Zelten wachend, als Verteidiger in vollem Waffenschmuck, der Schomer-Zwi Nissanow vielleicht am besten symbolisiert: neue Wege aus der Arbeit der Kommune heraus zu erspähen. So ist der Gdud ein palästinensisches Gebilde, wie nur je eins, nicht zu verstehen aus der Ideologie europäischer Jugendbewegung, sondern ein Gebilde aus all den Aufgaben heraus, die es zu lösen gilt: Eroberung der Arbeit, Siedlung, Verteidigung, Erweiterung der AÜjah, Erziehung der unerzogenen jüdischen Jugend, und vor allem: Schaffung schöpferischer Siedlung auf neuen Wegen; Ueberwindung des ruinösen Trotts des jüdischen Mittelstandes, der in Rechoboth, Pethach Tikwah wie Tel Awiw Palästina von Krise zu Krise führen wird, weil er Verdrängung der jüdischen Arbeit und neue Chalukkah bedeutet. Man ermißt die Größe der gestellten Aufgabe vielleicht in Europa nicht ge-