Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Legion der Arbeit
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Walter Prcuss: Es ist im Gdud ein schweres Problem und muß es sein: ob die reine Tatsache der Arbeitsfähigkeit genügt, Chawer zu werden und ob nicht zumindest im weiteren Verlauf der Arbeit schwere Schädigungen eintreten können, wenn nicht irgendwie eine ernsthafte Erziehung einsetzt. Erziehung in diesem Sinne ist im gesellschaftlich loseren Verbände des Gdud sicherlich schwieriger als in der engen Gemeinschaft, wo die starke Reibung mit der Umwelt allein schon Erziehung bedeutet. Das Problem wird noch dadurch kompliziert, daß mit dem Ausbau der „großen Kommune " die Frage des Familienlebens und der Kindererziehung brennend wird. Gewisse Anzeichen sprechen dafür, und es wird auch offen von vielen führenden Chawerim zugegeben, daß der Gdud in der Erfassung seiner Menschen vielfach versagt hat. Symptome sind: der wiederholte Austritt ganzer Gruppen und Einzelner sowie der in letzter Zeit bewußt oder nicht bewußt, schwächere Anteil des Gdud an den allgemeinen Arbeiten der Histadruth, besonders auch am Misrad l'Awodoth Ziburioth. Die innere Schwäche hat dem Gdud nicht die Stoßkraft gegeben, um seine Gedanken über Haschwaath hamechirim durchzusetzen: so beschränkt sich der führende Anteil des Gdud an der ieitung des Misrad heute in der Austragung von prinzipiellen Differenzen, wenn er auch nach außen hin Histadruth wie Misrad verteidigen wird. Ueberzeugender als alles wirkt aber der unmittelbare Eindruck, den man im Gdud empfängt: der starke menschliche Unterschied zwischen Führenden und Geführten, der in andern Gruppen nicht annähernd so in Erscheinung tritt. Im Gdud empfindet man die Mängel. Zeichen dafür ist, daß eine monatliche Bewährungsfrist eingeführt worden ist, ehe jemand Chawer des Gdud wird; man versucht stärker als bisher, in kleineren Gruppen zu wirken; trotzdem bleibt das Zentralproblem des gewaltigen Aufgabenkreises: ob es gelingen wird, das Menschenmaterial zu aktivieren, im Gedanken des kommunistischen Zusammenlebens zu festigen oder nicht. Mindestens so schroff steht die Frage der inneren Ordnung des Zusammenlebens iii der Kommune zur Entscheidung. So folgt der Gedanke der Kinderkommune, der gemeinsamen Erziehung der Kinder von früh auf, folgerichtig aus der Idee der großen Kommune, daß nicht die Familie, sondern der erprobte Führer das richtige Maß und den richtigen Weg kennt. Man hat hier mehr als einmal an die Herberufung von Bernfeld gedacht. So hat der Gdud in Ein Charod abseits vom Gewimmel der Werkstätten die Baracke, das Heim der Kinder unter Leitung Schweigers geschaffen. Brennend wird das Problem nur dann, wenn die Familien Einzelbaracken wollen und die Jüngeren sich dem widersetzen, mit der Begründung: für die Kinder ja, aber was haben die Aelteren vor uns voraus, daß sie bevorzugt werden? Dann wird nämlich die Frage akut, "ob die Eltern die Kinder zur Nacht bekommen sollen odpr nicht. Dies nur ein Beispiel für die große Zahl der ungelösten Probleme des inneren Zusammenlebens. Die beiden erwähnten Fragenkomplexe: innerliche Erfassung der Jüngeren und Ordnung des Zusammenlebens sind vielleicht neben den großen Fragen der Wirtschaft-