Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Legion der Arbeit
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Walter Preuss: Die Legion der Arbeit nug{ nur im Lager der bewußten Arbeiterschaft ist das Aufkeimen neuer Ziele jüdischer Erlösung zu spüren. Mit Absicht habe ich das Bild des Gdud so isoliert und herausgehobenaus den Verflechtungen der Wirtschaft hier dargestellt; gilt es doch immer wieder der westlichen zionistischen Jugend, die sich eben den Hechaluz schuf, zu zeigen, in welchen Kreisen im Lande Neues erwächst, zu zeigen, wie unberechtigt jene Anmaßung gewisser Teile dieser Jugend gegenüber der heutigen Arbeiterschaft ist. Fern, sehr fern von allem, was im Lande geschieht, steht vor allem der Blau-:Weiß, fern auch wahrer Entschluß- und Jugendkraft: das haben seine letzten, anscheinend radikalen und doch im Punkte Palästina so kompromißlerischen Entschlüsse gezeigt. Wo ist in den im Galuth gefaßten Entschlüssen, von vorneherein sich nur am Rand der Stadt anzusiedeln, jener Zug von jugendlicher Größe, wo in dem Urteil über die Leistungen der Arbeiterschaft jene Kenntnis der Dinge oder mehr als das: jene Bescheidenheit aus der Erkenntnis des noch nicht einmal betretenen Weges heraus. Noch immer nicht, trotzdem gerade alle hier im Lande befindlichen deutschen und tchechischen Chaluzim den Zusammenhang gefunden haben, hat der Großteil des Blau-Weiß, auf dem doch auch ein Teil unserer Hoffnung beruht, begriffen, was er endlich doch einmal begreifen könnte: daß nur Tat und aus Tat entspringende Kenntnis die Berechtigung zum Urteil verleiht, wie es sich auf den Stühlen selbst eines Berliner Blau-Weiß-Bureaus ohne jede Schwierigkeit, aber ohne jede Berechtigung und Kenntnis leicht und mit Leichtfertigkeit fällen läßt. Was an starrer Ideologie heute in den Reihen jüdischer Arbeiterschaft lebt, ist die einzige geradezu lebensnotwendige Reagenz auf die planlose Bequemlichkeit der andern: ist der primitive Existenzwille, die Realisierung des neuen Lebens. Mit Fachkenntnis wohl, guter Ausbildung möglichst, aber vor allem mit ideeller Vorurteilslosigkeit herzukommen ist das, was die jüdische Arbeiterschaft von denen, die herübergehen um hier ein Arbeiterleben zu führen, verlangen kann, von allen Chaluzim. Von den andern dies zu fordern, wäre Energieverlust; eigene Leistung, um dem Strudel zu entgehen, aber nicht Ueberredung derer im anderen Lager und Kompromiß mit ihnen, das ist es, was die Arbeitergeschictite Erez Israels und nicht zuletzt die des Gdud lehrt.