Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Legion der Arbeit
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Legion der Arbeit 9 wird noch gewaltig dadurch gestärkt, daß neue Gruppen in unmittelbarer Nähe von Tel Joseph (Haschomer hazair und die deutsch-tschechoslowakischen Gruppen^ Chefzi-bah und Zwi) in engste Gemeinschaft, vielleicht in Kommune mit dem Gdud treten werden. Eine mehrfache Zielsetzung des Gdud haben wir festgestellt: i. Den Willen, einen großen Körper zu schaffen, der immer und überall in erster Linie zu Verteidigung und Arbeit bereit sein soll. . 2. Keine abgeschlossene Formation zu bilden, sondern die Zelle, in der immer neue Einwanderer ausgebildet und erzogen werden. 3. In diesem Körper den Gedanken der schöpferischen Arbeit durch die kommunistische Verteilung wachzurufen. 4. Durch die Schaffung der großen Kommune zugleich die ökonomische Grundlage und Unabhängigkeit, eigentlich zum erstenmal in Palästina, zunächst für den Gdud, dann aber auch für möglichst große Teile der Arbeiterschaft zu erkämpfen. . 5. Das Ziel der Ausgleichung der Gewinne und Löhne innerhalb der Arbeiterschaft auch nach außen hin zu tragen und in der Gesamtorganisation möglichst die Gedanken des „Gdud" durchzusetzen. Diese vielfache Zielsetzung, die schließlich doch aus einer Wurzel entspringt, und die dem „Gdud" sein markantes Gepräge im heutigen Arbeiterleben gibt, stellt ihn vor außerordentlich schwere, innere Probleme. Gelingt es ihm nicht, immer von neuem schöpferische Kräfte zu erziehen, das zu erreichen, was nach Ansicht aller bürgerlichen Theoretiker einfach schon aus der Theorie heraus nicht gelingen kann, so ist letzthin seine Arbeit vergeblich. In dieser Hinsicht ist es für den Gdud außerordentlich charakteristisch, daß die Probleme der Erziehung durch Gemeinschaft, wie tsie in den abgeschlossenen Bünden wie „Haschomer hazair" (vgl. z. B. dessen im Druck erschienenes Tagebuch „Kehilijatenu") so außerordentlich vorherrschen, ganz zurücktreten vor dem Arbeitsgedanken. Der Gdud war 'eben bisher keine Gemeinschaft,, wollte keine sein; ja es liegt z. B. gerade im Wesen der großen Kommune, daß angenommen wird, die große Zahl der Mitglieder werde das Problem des Zusammenlebens erleichtern. So entsteht der Gdud als jenes eigenartige Gebilde der Siedlung und des Zusammenseins aus der Arbeit und nicht aus innerer Zusammengehörigkeit (wobei die Arbeitsgemeinschaft natürlich die Gemeinschaft aus Zusammengehörigkeit nicht ausschließt). Die Schattenseiten eines solchen loseren Gebildes zeigten sich bald. Ein häufiger Wechsel und Austritt von Menschen, die zur Zeit des Arbeitsbedarfes aufgenommen wurden, entstand; es kam sogar wiederholt vor, daß bestimmte Gruppen den Gdud ausnutzten, in ihm und auf seine Kosten Facharbeit erlernten und dann austraten. Einerseits kann es zwar als einZeichen von Gesundheit gelten, daß die Probleme der Gemeinschaft nicht so ernsthaft im Vordergrund stehen wie anderswo; andererseits drückt sich darin vielfach nur ein noch nicht Erfaßtsein von der Idee, der bloße Zusammenschluß zu Arbeitszwecken aus.